Jakarta - Die neue indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri hat am Dienstag ihre Arbeit aufgenommen. Im Mittelpunkt der Beratungen mit Spitzenpolitikern in Jakarta stand die Berufung eines neuen Vizepräsidenten sowie ihre Regierungsbildung. Der am Vortag abgesetzte Präsident Abdurrahman Wahid weigerte sich auch am Dienstag, den Präsidentenpalast zu räumen. Wahids jüngste Tochter Inayah sagte aber, die Familie sei zum Auszug bereit. "Wir haben unsere Sachen gepackt, auch Vaters." Der unter Korruptionsverdacht stehende Wahid war von der Volksversammlung wegen schlechter Amtsführung abgesetzt worden. Megawati, die am Vortag von der Beratenden Volksversammlung zur Präsidentin gewählt worden war, arbeitete weiterhin in ihrem Vizepräsidenten-Büro. Die Volksversammlung wird am Mittwoch wieder zusammenkommen, um dann einen neuen Vizepräsidenten zu bestellen. Über die Gesprächsinhalte Megawatis mit den Spitzenpolitikern wurde nichts bekannt. Sie traf auch mit dem früheren Sicherheitsminister Susilo Bambang zusammen, der als möglicher Kandidat für das Amt gilt. Der Präsidentenwechsel verlief bisher friedlich. Vor einer Moschee unweit des Präsidentenpalastes campierten am Dienstag etwa 100 bis 200 Wahid-Anhänger aus Ost-Java, wo der ehemalige Präsident den größten Rückhalt hat. Moslemische Führer hatten in Ost-Java aber zur Ruhe gemahnt. Weitere etwa 300 Anhänger Wahids demonstrierten vor dem Präsidentenpalast. Megawati will am Mittwoch nach Ost-Java reisen und das Grab ihres Vaters, des Staatsgründers und ersten Präsidenten Indonesiens, Sukarno, besuchen. Ein Berater Megawatis sagte, es werde versucht, Wahid Zug um Zug aus dem Präsidenten-Palast zu bekommen. Der Ex-Präsident werde den Palast voraussichtlich noch diese Woche verlassen. Wahid hatte sich gegen seine Absetzung gewehrt und versucht, sie durch Ausrufung des Ausnahmezustandes zu verhindern. Der Volksversammlung hatte er befohlen, sich aufzulösen. Dies war jedoch vom Obersten Gericht für verfassungswidrig erklärt worden. Armee und Polizei hatten Wahid den Gehorsam verweigert. (APA/Reuters)