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BLIND BOYS OF ALABAMA Spirit Of The Century (Realworld/Virgin) Wenn George Scott zu singen beginnt, klingt es, als würde er mit Steinen gurgeln: brüchig, bebend. Ein zärtlicher Vulkan. Scott ist Mitglied der Blind Boys Of Alabama, einer Gospelformation, die seit den 40er-Jahren mit wechselndem Personal den Himmelvater anruft, um ihm vom Unrecht irdischen Seins zu berichten. Die verbliebenen drei Blind Boys interpretieren auf Spirit Of The Century , unterstützt von Kapazundern wie David Lindley oder John Hammond, Traditionals und Material von Tom Waits oder Ben Harper. Entstanden ist so ein "modernes" Gospelalbum, das durch das respektvolle Spiel der Musiker (sogar Charlie Musselwhite hält seine Mundharmonika kurz!) den unglaublichen Stimmen der Boys viel Platz einräumt. Man höre nur Run For A Long Time ! Ein Wahnsinn! Zum anderen besorgen sie den Stücken einen konkurrenzlosen Groove zwischen klassischem Country-Blues und Rhythm'n'Blues: Lord have mercy! VENUS BROWN Tar Baby (Black Market) Darren Brown alias Venus Brown benötigt bei seinem Debüt Tar Baby etwas Zeit, um warm zu werden. Aber spätestens bei Nummer fünf, bei I Will , geht die Idee mit der Akustikgitarre zu abgefederten HipHop-Beats voll auf. Das Schlagzeug entdeckt den Funk, der in ihm steckt, das Keyboard seine Seele. Nun folgt eine Kür, die an die besten Momente von Ben Harper erinnert und sich inhaltlich afroamerikanischen Themen widmet. Stellenweise knieweich wie Shuggie Otis, aber das ist ja bekanntlich als Kompliment zu verstehen. Eine Entdeckung! (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 7. 2001)