Josef Klaus hat Österreich als Erster aus der Vorstellung herausgeführt, die Republik könne ohne große Koalition nicht stabil reagiert werden. Der ÖVP-Kanzler, politisch dennoch glücklos, wurde 1970 abgewählt. An seine Stelle trat Bruno Kreisky mit der von der FPÖ und deren Chef Friedrich Peter unterstützten Minderheitsregierung, worauf dreizehn Jahre einer absoluten Mehrheit der Sozialdemokratie folgten.

Der Verstorbene war ein Bäckersohn aus dem Kärntner Ort Mauthen, wo er am 15. August 1910 geboren wurde. Nach Abschluss des Rechtsstudiums 1934 in Wien arbeitete er fünf Jahre als politischer Sekretär und Experte für die christlich-soziale Arbeiterschaft im Ständestaat. Als Funktionär des Cartellverbandes (CV) war er der Führer des deutschnationalen Flügels, dessen Hauptgegner die patriotische Strömung unter Alfred Maleta war.

Budgetsanierung

Nach dem Krieg verließ Klaus zunächst die Politik, um in Salzburg Rechtsanwalt zu werden. Aber schon 1949 wurde er Vizebürgermeister von Hallein und noch im selben Jahr als 39-Jähriger Landeshauptmann von Salzburg. Er ging 1961 als Finanzminister in die Regierung Gorbach, um es zwei Jahre später wieder aufzugeben: Eine Budgetsanierung scheitere an den Gesetzen der großen Koalition, argumentierte Klaus damals, um diese Erfahrung 1966 nach seinem Wahlsieg zur Begründung für die Beendigung der schwarz-roten Zusammenarbeit zu machen.

Von nun an galt Klaus als "Reformer", der von den schwarzen Landeshauptleuten forciert wurde und für den in "Geheimtreffen" sogar die CV-ferne Katholische Aktion (KA) mobilisiert wurde. Der Gegenflügel wurde "Kernkreis" genannt, vor allem vom Bauernbund und dem legendären Leopold Figl dirigiert und auf eine Kandidatur des Unterrichtsministers Heinrich Drimmel eingeschworden.

Showdown

1963 kam es beim Klagenfurter Parteitag zum Showdown. Klaus verließ ihn mit 252 zu 144 Stimmen als klarer Sieger, nicht ohne den Vorwurf der Gegenseite, der Klaus-Vertraute Hermann Withalm hätte eine "Clique" organisiert, die von der Zuschauertribüne aus jeden Auftritt des Kandidaten heftig beklatschte. Der Rest bis 1966 lief im Rückblick logisch ab: Gorbach wurde zum Rücktritt gezwungen, Klaus ging in eine brüchige Kohabitation mit der SPÖ und tat alles für eine spektakuläre Scheidung. Unter anderem durch die Unterstützung des Ergebnisses des Rundfunk-Volksbegehrens 1964, als über 800.000 Österreicher im Grunde eine Stimme gegen den Proporz-Filz abgegeben hatten.

Die Klaus-Verdienste als Bundeskanzler sind eben diese Rundfunk-Reform, aber auch die Siemens-Privatisierung, die Budget-Sanierung, die Vollversorgung mit Gymnasien, das Südtirol-Paket und die Abschaffung der Todesstrafe. Klaus umgab sich als Anhänger der "Sachlichkeit", der oft schon um fünf Uhr früh bei Berlitz Fremdsprachen büffelte, als Erster mit Wissenschaftern und Experten, die teilweise aus Enttäuschung über nicht umgesetzte Ideen direkt zu Bruno Kreisky überliefen und damit das Ende der Ära Klaus einleiteten.

Nach seiner Niederlage bei den Wahlen 1970 legte Klaus alle Ämter nieder und lebte seitdem streng als Privatmann. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2001)