Wien - Gefunden hatten sie - nichts. Jedenfalls nichts Konkretes. Stattdessen waren die drei Offiziere des Untersuchungsgerichts, welche das rätselhafte Verschwinden dreier Leuchtturmwärter aufklären sollten, auf ihrer Reise ziemlich dunklen Seiten der eigenen Persönlichkeit begegnet. Sie hatten die Order, im Leuchtturm persönlich nach den Verschollenen zu suchen (fürs gruselige, aber passende Bühnenbild zeichnete Conor Murphy, für die wichtige Lichtregie Norbert Chmel verantwortlich). Die Offiziere hatten die Rollen ihrer verschwundenen Wärter eingenommen, jedoch konnten sie, wieder heimgekehrt, nicht erklären, was mit ihnen selbst auf der Reise passiert war. Die Opernhandlung basiert auf einem wahren Ereignis im Jahre 1900. Peter Maxwell Davies, der sich in seinem Einakter von 1980 textlich und kompositorisch in einem vielschichtigen Spannungsfeld bewegt, gehört zu den wenigen zeitgenössischen Komponisten, die sich allgemeiner Anerkennung erfreuen. Weil ihre Musik gestisch zeichnet und den Hörer nicht vergisst. Selbst wenn das Werk brutal und mysteriös zugleich ist. Walter Kobéra, Intendant der Neuen Oper Wien, dirigierte diese Koproduktion seines Hauses mit dem Klangbogen Wien mit dem nötigen Feinschliff. Das "Amadeus-Ensemble Wien" setzte seine Intentionen mit einem abwechslungsreichen und vor allem rhythmisch präzisen Spiel bewundernswert um. Diesem spannenden Psychodrama zeigte sich Regisseur Carlos Wagner recht gut gewachsen: Im Prolog gelang es ihm, die Seeleute als verschworene Gemeinschaft zu zeigen. Es herrschte eine Balance aus Naturalismus und behutsamer Stilisierung der Bühnenaktion. Erik Arman, Steven Scheschareg und Steven Gallop, in Matrosenanzüge gesteckt, nehmen im Prolog brav die Mützen ab, wenn sie berichten, was sie gesehen haben. Dann wiederum machen sie als Terzett Dada-Bewegungen. Die Szenen im Leuchtturm hat Wagner vielleicht allzu brav am Text entlang inszeniert. Zum Höhepunkt der Handlung wurde Sandys laszive Ballade, wobei das Semper-Depot mit seiner Höhe von über dreißig Metern imposante Kulisse bot, mit Leiter, Rundlicht und Fernbildern in höheren Etagen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 7. 2001)