Wien - Was im Doppelpack mit der französischen La Poste und dem Paketexpressdienst DPD zwei Jahre lang nicht geklappt hat, versucht die gelbe Post nun im Alleingang: "Wir wollen die Österreichische Post AG zu einem Brückenkopf nach Zentral- und Osteuropa ausbauen", so Post-Generaldirektor Anton Wais im STANDARD -Gespräch. Erster Schritt in Richtung Osterweiterung ist die Übernahme eines Paketdienstleisters in der Slowakei, die in der Aufsichtsratssitzung am 7. August beschlossen werden soll. Marteintritt in Slowenien Parallel zum Slowakei-Engagement prüft die Post auch den Markteintritt in Slowenien, wo bisher eine wenig prosperierende Kooperation mit der slowenischen Post bestand. "Dieser Markt ist hoch-interessant, weil er zweistellig wächst und im Wesentlichen von vier Betreibern gemacht wird", skizziert Wais. Ob die heimischen Postler diesen Markteintritt als "Greenfielder" im Eigenbau bestreiten oder einen bestehenden Paketdienst übernehmen, sei noch unentschieden, sagte der oberste Postfuchs. Charme und Potenzial hätten beide Varianten. 200 Millionen für Ostexpansion Wie hoch die für die Ostexpansion veranschlagten Investitionen sein werden, wollte Wais nicht verraten. Aus Aufsichtsratskreisen heißt es, für beide Länder seien rund 200 Mio. S (14,53 Mio. EURO) reserviert. Davon würden rund 50 auf die neue "slowakische Tochter" entfallen. Im Inland muss dem Postfuchs im Paketbereich rasch Effizienzsteigerung gelingen. Denn die Privatpakete bringen jährlich ein Defizit von rund 300 Mio. S. Die Devise: Kosten senken, Standards heben und eine Expressschiene für Kleinstpakete errichten. Gelassen reagiert Wais auf die Aufregung um die geplante Schließung von 712 Postämtern, bestätigen will er diese Zahl nach wie vor nicht. Noch seien die Verhandlungen mit Finanzpartner P.S.K./ Bawag nicht abgeschlossen. Feibra-Kauf "ein Muss" Quasi ein "Muss" ist für Wais der kartellrechtlich bereits genehmigte Kauf des Werbemittelverteilers Feibra. "Denn nur 36 Prozent des Postgeschäfts wird in Wachstumsmärkten lukriert, der große Rest entfällt ohnehin auf stagnierende Bereiche." Da die Post etwa gesetzlich verpflichtet sei, gemeinwirtschaftliche Verlustbringer wie die Zeitungszustellung zu leisten, sei es oberstes Ziel, die führende Rolle bei Massensendungen (Info-Mail) und Kurier-, Express- und Paketsendungen zu halten und auszubauen. "Es wäre daher ein Fehler, die Feibra nicht zu kaufen", sagte Wais in Anspielung auf die Kritiker des Deals im Postaufsichtsrat. Auch sei der Einstieg nicht zu teuer. Den kolportierten Kaufpreis von 350 Millionen Schilling für 51 Prozent am Marktführer unter den Zettelverteilern bestätigte Wais nicht. In fünf Jahren will die Post um weitere 19 Prozent aufstocken, der Rest bleibt im Eigentum der Feibra-Gründer Feistl und Brauner. (Luise Ungerboeck , DRE STANDARD, Printausgabe, 28. Juli 2001)