Wien - Der neue israelische Geschäftsträger in Österreich, Avraham Toledo, hat am Montag Bundespräsident Thomas Klestil in der Wiener Hofburg seinen Antrittsbesuch abgestattet. Da die diplomatischen Beziehungen von israelischer Seite seit dem Amtsantritt der ÖVP-FPÖ-Regierung aus Protest gegen die Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen herabgestuft sind, ist Israel in Wien nicht mit einem Botschafter vertreten. Toledo stellte nach einem einstündigen Gespräch mit Klestil vor Journalisten klar, dass die Haltung der israelischen Regierung unverändert sei: "Ich werde sicher keinen FPÖ-Minister treffen", sagte er. Klestil betonte in einer Aussendung, mit der Entsendung eines der höchstrangigen Beamten des israelischen Außenministeriums sei auch die besondere Bedeutung unterstrichen worden, welche die israelische Regierung den Beziehungen zu Österreich beimesse. Dabei wäre es allerdings "wünschenswert", dass Israel auch formell einen Botschafter nach Wien entsenden würde. Mit Toledo habe er vor allem Fragen der Wiederaufnahme des Friedensprozesses und der Beziehungen Österreichs zu Israel besprochen. Der Bundespräsident versicherte in diesem Zusammenhang, dass er weiterhin bereit sei, zu einer Friedenslösung im Nahen Osten beizutragen. Klestil betonte die Notwendigkeit einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen den Ländern der Europäischen Union und Israel sowie den anderen Staaten des Nahen und Mittleren Ostens bei der Suche nach einer friedlichen Beilegung des Nahost-Konflikts. Dabei komme auch den Vereinten Nationen eine besondere Bedeutung zu. Die Entscheidung über die Gestaltung der diplomatischen Beziehungen liege nicht bei ihm, sondern bei der Regierung in Jerusalem, betonte Toledo. Auch wenn Jörg Haider von der FPÖ-Spitze zurückgetreten sei und nicht in der Regierung sitze, sei die FPÖ mit der Ideologie Haiders in der Bundesregierung vertreten, begründete er die Distanz der israelischen Regierung. Auch wenn er Einladungen bekomme, werde er sicher keinen FPÖ-Minister treffen, erklärte der Diplomat. Einen Besuch bei FPÖ-Chefin Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer schloss er ebenfalls dezidiert aus. Von israelischen Medien und Politikern werden insbesondere umstrittene Äußerungen Haiders zum Nationalsozialismus kritisiert. Beziehungen verbessern Seine Aufgabe in Österreich sieht der neue Geschäftsträger darin, die Beziehungen zwischen der österreichischen Bevölkerung und Israel zu verbessern, etwa im Tourismus oder bei den Wirtschaftsbeziehungen. "80 Prozent der Österreicher sind nicht für die FPÖ", betonte Toledo. Die israelische Regierung wolle und werde sich aber nicht in die inneren Angelegenheiten Österreichs einmischen. Die Wahlen und die Bildung der Bundesregierung seien Sache des österreichischen Volkes, unterstrich der Diplomat. Da Toledo nur als Geschäftsträger die israelische Mission in Österreich leiten wird, war der Besuch beim Bundespräsidenten lediglich dem Meinungsaustausch gewidmet. Ein Beglaubigungsschreiben wurde nicht übergeben. Toledo folgt Ilan Ben-Dov, der seit der Rückberufung von Botschafter Nathan Meron zu Jahresanfang 2000 die Mission leitete. Der neue Geschäftsträger ist Berufsdiplomat und war zuvor Leiter der Afrika-Abteilung im israelischen Außenministerium. Besondere Beziehungen zu Österreich hat Toledo offenbar bisher nicht: "Ich bin zum ersten Mal hier", sagte er. (APA)