Moskau - Die Entführung eines Busses mit 41 Personen in Südrussland ist die jüngste Aktion in einer Reihe von Geiselnahmen und Flugzeugentführungen durch tschetschenische Unabhängigkeitskämpfer oder pro-tschetschenische Kommandos. Dabei wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Menschen getötet. Die Täter unterstützten das Streben der Tschetschenen nach Unabhängigkeit von Russland und wollten gegen das gewaltsame Vorgehen Russlands in der Kaukasusrepublik protestieren. Im Folgenden die spektakulärsten Geiselnahmen der vergangenen zehn Jahre: 8. November 1991: Tschetschenische Luftpiraten entführen eine Tupolew mit 178 Menschen an Bord. Die Maschine auf dem Inlandsflug von Mineralnyje Wody im Kaukasus nach Jekaterinburg wird nach Ankara gezwungen. Anführer des Kommandos ist einer der wichtigsten tschetschenischen Kriegsherren Schamil Bassajew. Die Geiseln werden am nächsten Tag in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny freigelassen. 14. Juni 1995: Ein von Bassajew geleitetes Kommando von rund 200 schwer bewaffneten Tschetschenen nimmt in der südrussischen Stadt Budjonnowsk, 120 Kilometer von der tschetschenischen Grenze entfernt, etwa 1.500 Zivilisten als Geiseln und zieht sich mit ihnen in das Krankenhaus der Stadt zurück. Die russische Armee stürmt das Krankenhaus, etwa 150 Menschen werden dabei getötet. Die letzten Geiseln kommen nach einer tagelangen Verfolgungsjagd frei. 9. Jänner 1996: Tschetschenische Untergrundkämpfer nehmen während des ersten Tschetschenien-Kriegs in der benachbarten Kaukasusrepublik Dagestan etwa 2.000 Menschen als Geiseln. Sie werden mehr als zwei Wochen in dem Ort Perwomajskoje an der Grenze der beiden Teilrepubliken festgehalten. Die russische Armee stürmt den Ort. Wie viele Menschen dabei getötet werden, ist bis heute unklar. Die offiziellen Angaben schwanken zwischen fünfzig und hundert Opfern. 16. Jänner 1996: Während des Dramas von Perwomajskoje bringt ein pro-tschetschenisches Kommando im türkischen Hafen von Trapzon die Schwarzmeerfähre "Avrasya" mit mehr als 200 Menschen an Bord in seine Gewalt. Nach drei Tagen lassen die Entführer ihre Geiseln frei und stellen sich. Angeführt wird die Gruppe von dem Türken Muhammed Emin Tokcan. 15. März 2001: Drei Luftpiraten entführen ein russisches Flugzeug mit 174 Menschen an Bord auf dem Weg von Istanbul nach Moskau und zwingen den Piloten zur Landung im saudiarabischen Medina. Saudiarabische Spezialeinheiten stürmen das Flugzeug am nächsten Tag. Dabei werden einer der Entführer, eine Flugbegleiterin und ein türkischer Passagier getötet. Russland vermutet den tschetschenischen Rebellenführer Chattab hinter der Tat, die tschetschenische Führung weist eine Verstrickung jedoch zurück. 22. April 2001: Ein pro-tschetschenisches Kommando unter Tokcan nimmt im Istanbuler "Swissotel" etwa 120 Menschen als Geiseln. Nach rund zwölf Stunden geben die Täter auf. 31. Juli 2001: Zwei Bewaffnete bringen im südrussischen Stawropol, etwa 200 Kilometer nordwestlich der tschetschenischen Grenze, einen Bus mit 41 Menschen in ihre Gewalt. 14 Geiseln werden im Lauf des Tages freigelassen. Die Täter fordern unter anderem die Freilassung von fünf tschetschenischen Entführern, die seit 1994 in russischer Haft sind. (APA)