Wien - Gangster haben's schwer. Eben von einem erfolgreichen Raubzug an seinen Wohnsitz Montréal zurückgekehrt, passiert Nick Wells (Robert De Niro), was in Filmen immer gerne passiert, wenn einer gerade an seine Freundin (Angela Bassett), an den Ruhestand und all den guten Wein im Keller denkt:

Die Vergangenheit holt einen nämlich ein, und Nick erhält Besuch von einem alten Auftraggeber (Marlon Brando), der ihn mit sanftem Druck überredet, ein letztes Mal - und entgegen allen Prinzipien: vor Ort - ein wertvolles Kunstobjekt zu stehlen, das Zepter eines französischen Königs, das im Zollgebäude auf den Abtransport wartet.

So weit, so gut - The Score von Frank Oz ist also ein Caper-Movie, ein Safeknacker-Film. Früher hat man so etwas auch gerne und mit gutem Grund "Spannungsfilm" genannt. Erzählungen um die Bildung einer (kriminellen) Zweckgemeinschaft, das minutiöse Ausspionieren von Zielobjekten und deren fachgerechtes Ausräumen mit je nachdem tragischem oder günstigem Ausgang liefern schließlich per se reichlich Stoff für Suspense in Form von gruppendynamischen Konflikten, Materialfehlern oder dem Katz-und-Maus-Spiel mit der Exekutive.

The Score allerdings ist so ziemlich der unspannendste Spannungsfilm seit langem. Stellenweise wirkt er so, als hätte man ihm im Schnitt noch einiges abgeknöpft an Plot-Twists und Seitenlinien. Alleine aus dem Problem, wie man den hochsicheren Spezialsafe knacken könnte, hätte man etwa eine schöne Versuchsreihe basteln können. Stattdessen wird es jedoch nach Erläuterung der Schwierigkeiten relativ geradlinig über einen rettenden Geistesblitz seiner Lösung während des Überfalls zugeführt.

Wahrscheinlich wird The Score deshalb auch lieber als "Drama" klassifiziert und als "Schauspielerfilm" gehandelt. Aber selbst die gestandenen Charakterdarsteller wirken müde und lustlos: De Niro lässt ausgiebig die Mundwinkel hängen, schlurft ansonsten durch die Handlung, durch die Straßen von Montréal oder durch schummrig ausgeleuchtete Sets, und manchmal muss er sich ein bisschen aufregen.

Brando, der immer mehr aussieht wie der große Sydney Greenstreet - allerdings ohne dass seine Altersrollen auch das entsprechende Format hätten -, taucht in ein paar kurzen Szenen auf, die ihn als angeschlagenen, tragischen Patriarchen ausweisen sollen.

Edward Norton, der Nachwuchs-Heißsporn im Bunde, darf sich am Schauspiel-im-Spiel versuchen und zum Schein einen leicht behinderten jungen Mann geben, der als Hausmeistergehilfe im Zollgebäude die gut getarnte menschliche Schwachstelle im Hightech-Sicherheitssystem darstellt. So vergehen zwei gute Stunden, und das Ende kommt schließlich so abrupt wie erlösend. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 8. 2001)