Wien - Deutschlands Rekordnationalspieler, Weltfußballer, Weltmeister Lothar Matthäus (40) wurde gestern von Österreichs Rekordmeister SK Rapid als neuer "Teamchef" vorgestellt, er unterschrieb einen Zweijahresvertrag, der ihm mindestens eineinhalb Millionen Mark im Jahr einbringt. Rapids geschäftsführender Vizepräsident Peter Weber: "Die Bank Austria steht per Ausfallshaftung für Matthäus’ Gage gerade." Den Deal wickelten laut Rapid Manager Werner Kuhn und Teammanager Stefan Ebner innerhalb von zwei Tagen ab.Heißer Montag Weber: "Die Sache wurde am Montag um Mitternacht heiß, am Dienstag in der Früh wurde ich in die Bank Austria gerufen und erhielt grünes Licht." Auf der Mitgliederversammlung am Montagabend wusste Weber eigener Aussage zufolge selber noch nichts. Nicht einmal Trainer Peter Persidis wurde eingeweiht. Rapid hat nun rund drei Wochen nach der Trennung von Trainermanager Ernst Dokupil einen neuen, charismatischen Leitwolf. Und so passierte ES Der Deal lief offenbar so: Teammanager Ebner kennt den Scouting-Chef der Münchner Agentur Sporthouse (Klienten: Matthäus selbst, Andi Brehme, Hilde Gerg), Edwin Bude, der Rapid vor einiger Zeit ein Scouting- Software-Programm verkaufte. Matthäus ist seit Anfang 2001 bei Sporthouse Teilhaber und Berater. Die Agentur sondiert seit sechs Monaten Matthäus’ Einstieg in die Zweitkarriere als Trainer, Rapid war in der engeren Wahl. "Zufällig" arbeitet bei Sporthouse auch Oliver Tschunke, der Sohn des Aufsichtsratsvorsitzenden von Gericom, Jochen Tschunke. Und Gericom (sponserte seinerzeit den LASK mit rund vier, erhielt einen Ausstattungsvertrag des Linzer Magistrats mit rund zehn Millionen Schilling) überlegt seit Monaten, wie und ob man Matthäus als Zugpferd verwenden kann. Als Matthäus auf der Trainerkandidatenliste Rapids obenauf stand, kamen die Dinge ins Rollen. Sporthouse-Vermarktungschef Klaus Albrecht bestreitet übrigens glaubwürdig, dass Gericom vermittelte, auch werde man für Rapid kein Scouting betreiben, Matthäus soll nicht einer Unvereinbarkeit (Trainer und Agent) ausgesetzt werden. Und Gericoms Investor-Relations-Managerin Michaela Hochreiter verneint dezidiert finanzielle Beteiligungen an Matthäus’ Verpflichtung. Gericom-Chef Hermann Oberlehner selbst überlegt, Rapid als Sponsor beizutreten, ins Präsidium (Neuwahl: 22. Oktober) werde er definitiv nicht einziehen. Assi Güttler Matthäus’ Assistent ist übrigens sein Jugendfreund Günter Güttler, selber Exprofi bei den Bayern, in Nürnberg und bei Schalke, zuletzt Trainer des Bayernligisten Neumarkt. Güttler hat die Trainerlizenz, die Matthäus irgendwann nachzumachen gedenkt. Gestern trainierte Matthäus erstmals seine Schützlinge, die ja derzeit nicht der Ausbund an Wiener Schmäh sind, also für Matthäus vielleicht nicht ganz so fremd. Matthäus: "Ich mag die Wiener und den Schmäh." (josko) (DER STANDARD, PRINTAUSGABE 7.9. 2001)