Wien - Die Euphorie für das neue Mobilfunksystem UMTS ist verflogen, und die Betreiber legen einen betont gelassenen Umgang mit der mobilen Multimediatechnologie und ihren Milliardeninvestments an den Tag. So auch die Mobilkom, die GSM-Tochter der Telekom Austria. Wie bereits vor Wochen von Telekomgeneral Heinz Sundt im STANDARD -Interview angekündigt, wird Österreichs Marktführer schrittweise in das UMTS-Zeitalter starten. "Es wird 2002 einen Softlaunch geben können", sagte A1-Chef Boris Nemsic am Dienstag bei Vorlage der Halbjahreszahlen. Ein echter Massenmarkt werde UMTS allerdings erst 2004 werden, übte sich Nemsic in Optimismus. Erst dann sei auch zu erwarten, dass die Industrie die Endgeräte liefern könne. Stranded Costs werde es trotz weit überzogener Lizenzgebühren in Ländern wie Deutschland oder England sicher nicht geben können. In Österreich habe man mit 117 Millionen Euro (1,6 Milliarden Schilling) einen "ganz, ganz vernünftigen Preis gezahlt". GSM wird mit UMTS verknüpft In der ersten Ausbaustufe werde das bestehende GSM-Netz mit UMTS verknüpft, wobei das neue Paketvermittlungssystem GPRS natürlich integriert werden. Später wolle man mit anderen Betreibern auch gemeinsam Standorte betreiben. Bis 2003 sollen rund 100 Mio. EURO in das Basisnetz und bis 2010 insgesamt 600 bis 700 Mio. EURO in die Funkinfrastruktur gebuttert werden. Ob UMTS nur mit einer so genannten Killeranwendung zum Durchbruch komme, sei rasch beantwortet: "So lang die Menschen sprechen können, ist es die Sprache." Und das werde noch länger so bleiben. Dort verdient die Mobilkom auch derzeit das große Geld. Im ersten Halbjahr 2001 hat die Mobilkom mit ihren Auslandstöchtern in Kroatien (VIPnet), Slowenien (Si.mobil) und Mobilkom Liechtenstein, ihren Umsatz, wie berichtet, um 15,8 Prozent auf 822,5 Mio. EURO gesteigert und war damit abermals der "Goldesel" der Telekomgruppe. 18 Prozent des Umsatzes kamen von den Auslandstöchtern. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um 43,7 Prozent auf 289,6 Mio. EURO und der operative Gewinn (Ebit) um 35,1 Prozent auf 122,5 Mio. Euro. Mehr Touristen, mehr Cash Ob A1 auch im zweiten Halbjahr so weiterwächst, hänge auch von Saisonschwankungen ab. Heißt konkret: Je mehr Touristen im A1-Netz telefonieren, desto mehr von den teuren Auslandsgebühren (Roaming) fließen. Im Jahresdurchschnitt kämen acht bis zehn Prozent des Umsatzes aus Roaming. Das Weihnachtsgeschäft wiederum verursache zunächst Mehrkosten (aufgrund der Preisstützungen für Handys, Anm.) , der positive Effekt komme erst danach, so Nemsic. A1 hat nach Eigenangaben derzeit rund 3,7 Mio. Kunden, davon 650.000 in Kroatien und 200.000 in Slowenien. Bis Jahresende sollen es vier Mio. werden. (ung, Der Standard, Printausgabe, 5.9.2001)