Wien - Das Hotel kam später. Viel später. Vor 125 Jahren. Da war "Sacher" längst ein Begriff. Denn es war im Jahr 1832, als der Kochlehrling Franz Sacher antrat, die Geschichte der Stadt nachhaltig zu prägen: Er buk. Eine kleine Torte für einen Lehrling, aber eine große für die Menschheit - auch wenn sich das erst später herausstellte. Jedenfalls war Sachers Torte in ganz Kakanien bekannt, noch bevor Sacher selbst 1848 von seinen Wanderjahren nach Wien zurückkehrt und in der Weihburggasse einen Delikatessenladen eröffnete. 1864 sperrte sein Sohn Eduard ein Wirtshaus auf. In Döbling. Schon 1866 kam er in die Innenstadt zurück: Im Palais Todesco entstand ein Nobelrestaurant, das zehn Jahre später übersiedelte: ins heutige Haus. Mit drei Stockwerken möblierter Zimmer. Es war aber seine Frau, die für den Erfolg des Hotels verantwortlich zeichnete: Eduards Frau Anna hatte von 1880 die Zügel im Haus fest im Griff - und wurde zu Lebzeiten eine Legende. Nicht bloß wegen der unvermeidlichen Zigarre. Als gestrenge und schrullige Chefin war sie bei Personal, Gästen und Wienern bald eine fixe Größe. 1930 starb Anna Sacher, 1934 ging das Haus in Konkurs, Josef und Anna Siller sowie der Rechtsanwalt Hans Gürtler kauften es. 1945 wurde das Hotel der "Senior Officers’ Club" der Britischen Armee, bis es 1951 wiedereröffnet wurde. 1962 kauften die Gürtlers die Siller-Anteile, 1970 verstarben Hans Gürtler und sein Sohn Rolf. Peter Gürtler (damals 25 Jahre alt) wurde Hoteldirektor. Von 1974 bis zu ihrer Scheidung von Peter Gürtler 1978 arbeitete Elisabeth Gürtler im Sacher. 1990 kam sie als Geschäftsführerin zurück, Tochter Alexandra ist nun in die Direktion eingezogen. (rott, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 6.9.2001)