Eisenstadt - Natur hautnah erleben und dabei lernen können Schulklassen im burgenländischen Seewinkel: Rund 2.000 Kinder und Jugendliche nehmen jährlich an Projektwochen teil, die der WWF in der Bildungswerkstätte Seewinkelhof anbietet: "Biologieunterricht ist interessant. Doch auffliegende Vogelschwärme über den Lacken zu erleben, im Schlamm nach Kleinstlebewesen zu wühlen und mit dem Netz die Unterwasserwelt zu erkunden - das macht ökologische Zusammenhänge erst begreifbar," so WWF Österreich-Geschäftsführer Günther Lutschinger bei der Präsentation des Projektes am Mittwoch in Apetlon. Derzeit erforscht eine Maturaklasse der Vienna International School an der Darscho-Lacke die Unterwasserwelt. Bei einer Fischfangaktion zur Erforschung des Fischbestandes legte am Mittwoch Landeshauptmann Hans Niessl - selbst ehemaliger Lehrer - bei einem Besuch gleich mit Hand an. "Das Begreifen der Natur ist gerade für Kinder und Jugendliche wichtig. Und genau das wird hier durch den WWF möglich gemacht", zeigte sich Niessl begeistert und sagte dem WWF auch die Hilfe der burgenländischen Landesregierung zu. Im Rahmen des Projekts der Vienna International School lernen 17 Studenten aus der ganzen Welt die Natur kennen. Auf dem Programm steht u.a. das Beobachten der Vögel und Kennenlernen der Artenvielfalt. Auch die Vegetation und die Welt unter Wasser werden so für die Schüler zum Erlebnis. "Urschlamm", gewissermaßen Im Seewinkel steht die Wiege des WWF Österreich: Das Gebiet um die Lange Lacke bildete 1963 den Anlass für die Gründung der internationalen Naturschutzorganisation in Österreich und ihr Engagement im Burgenland. Vor fast 40 Jahren pachtete der WWF die Hutweiden um die Lange Lacke, um sie vor der Zerstörungswut der Menschen zu bewahren. In den folgenden 23 Jahren zahlte die Organisation 25 Millionen Schilling für den Erhalt des Gebietes. Zwischen 1987 und 1989 wurde der Seewinkelhof, der ehemalige Püsbök-Hof, vom WWF schrittweise gepachtet und Aufklärungsarbeit bei den damals vom Naturschutz wenig angetanen Einheimischen geleistet. Außerdem wurde der Seewinkelhof zur ersten Anlaufstelle für die Touristen in der Region. 1993 Mit der Gründung des Nationalparks Neusiedlersee-Seewinkel im Jahre 1993 übernahmen die Mitarbeiter der Institution diese Aufgabe. Von 1987 bis 2001 investierte der WWF 30 Millionen Schilling in die Bildungsarbeit der Sieben- bis 18-Jährigen. Das Geld stammt vom Land Burgenland, dem Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel und Mitgliedsbeiträgen der Organisation. Der WWF hat im Seewinkel auch eine Vorreiterrolle bei Alternativenergie und bei umweltfreundlichen Kläranlagen übernommen. Auf dem Seewinkelhof steht bereits die größte Inselsolaranlage des Burgenlandes. Der komplette Studienbetrieb - vom Videorecorder bis zum Geschirrspüler - wird mittels Solarstrom bestritten. Das Burgenland hat auch Vorbildwirkung beim Naturschutz: Immerhin 27 Prozent der gesamten Landesfläche stehen bereits unter Schutz, und es werden immer mehr, wie die jüngsten Ausweitungen im Bezirk Mattersburg und auf der Parndorfer Platte zeigen. (APA)