Wien/St. Pölten/Graz - Ein Konflikt um Grenzlinien und Striche auf dem Papier ist rund um die Ausweisung EU-konformer Natura-2000-Schutzgebiete in den Alpen entbrannt. In der Steiermark sei die "Reduktion des Gebietes Kirchkogel" nicht richtlinienkonform, teilte die Europäische Kommission am 12. Juli 2001 in einem Brief mit. Das übermittelte Kartenmaterial aus Niederösterreich wiederum sei zwar "sehr aufschlussreich", werde "der Anforderung, ein Gebiet zu definieren, aber nicht gerecht". Sollte Brüssel demnächst keine "neuen Karten mit Grenzlinie" erhalten, werde man "weiterhin mit dem Material vom Juni 2000 arbeiten", schreibt die Kommission. Damit habe die EU "die Rute ins Fenster" gestellt, meint der Leiter der Landesnaturschutz-abteilung, Erich Wurzian: "Wir haben zehn Millionen Schilling (726.728) in die Feinabgrenzung der Natura-2000-Gebiete investiert. Die wären umsonst ausgegeben." Die "Feinabgrenzung" war in Auftrag gegeben geworden, nachdem Niederösterreich ursprünglich 31,3 Prozent seiner Fläche nach Brüssel als schützenswert gemeldet hatte. Wirtschaft und Bauern forderten eine Verkleinerung der Areale ein, die beauftragten Experten parzellierten die Flächen: "Manches gemeldete Gebiet umfasst nur hundert Quadratmeter", kritisiert Christoph Walder vom World Wide Fund for Nature (WWF). Nur ein neuer Streich könne das Problem beseitigen, meint nun Erich Wurzian: "Ich habe den Landespolitikern empfohlen, tunlichst wieder Grenzlinien in die Pläne aufzunehmen." Ein Vorschlag, den Naturschutzlandesrätin Heidemaria Onodi (SP) noch bis kommende Woche überdenken möchte. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 9. 2001)