Linz - Die oberösterreichische Ärztekammer warnte Donnerstag vor Vorverurteilungen im Zusammenhang mit der Spitalsaffäre in Gmunden. Die Kammer kündigte an, dem suspendierten Primar, wie jedem anderen Arzt auch, Rechtsschutz zu gewähren. Wie DER S TANDARD berichtete, tauchte am vergangenen Dienstag der Verdacht auf, dass in der gynäkologischen Abteilung des Landeskrankenhauses Gmunden zumindest in zwei Fällen schwere Behandlungsfehler begangen worden sein könnten. Eine Patientin ist gestorben, wobei ein Gutachten zu dem Schluss kam, die Frau hätte bei ausreichender Behandlung eine bessere Überlebenschance gehabt. In der Zwischenzeit starb auch eine zweite Patientin, Zusammenhänge mit der Behandlung sind unklar. Die Staatsanwaltschaft will Befunde aus fünf Jahren prüfen. Nun müssten die Ergebnisse der gerichtlichen Untersuchungen abgewartet werden, so die Ärztekammer. Mediziner dürften "bei Nichteintreffen des gewünschten Behandlungserfolges" nicht "grundsätzlich kriminalisiert" werden. Betont wurde außerdem, dass bei der Schlichtungsstelle für Behandlungszwischenfälle - an die sich Patienten bei behaupteten Kunstfehlern wenden können - "keinerlei Hinweise auf eine Häufung von Unregelmäßigkeiten an der gynäkologischen Abteilung feststellbar" seien. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 7.9.2001)