Die Kartellbrüder der heimischen Medienszene haben ihre Probleme mit der neuen Media-Analyse. Die Magazineure aus der Formil-Ecke hat ein Albtraum in den Klauen - Abgang männlicher Jungleser, bei Hans C. Dichand kann man wenigstens noch von einem Scheitern auf hohem Niveau sprechen - das Ausgedinge vor Augen, und wieder einmal ein Traumziel verfehlt! Gerade in diesen Tagen hat die Mediaanalyse ergeben, dass unsere Auflage weiter gestiegen ist. Nur noch 22.000 Leser fehlen uns zur Drei-Millionen-Grenze, jammerte Cato am Donnerstag. So etwas gehört natürlich verboten . . .

Diese wertvolle Anregung zur Herstellung zivilisierter Medienmarktverhältnisse fließt ihm leicht aus der Feder, weil er darauf bauen kann, dass keine österreichische Bundesregierung es jemals wagen wird, ihr zu folgen, wenn sie vom journalistischen Gönner eines Kardinals und stolzen, aber bescheidenen Vater der Gasometer-Vierlinge kommt.

Die nach "Lieber Hund streicheln als Macht ausüben" zweitgrößte Banalität aus seinem in Plattitüdenbauweise hochgezogenen Schreiberstübchen - Nichts in Österreich wird weniger verziehen als Erfolg - durfte bei dieser Gelegenheit nicht fehlen, auch wenn die folgenden Sätze zusammenhanglos das Gegenteil beweisen. Die "Krone" ist schon lange sehr erfolgreich; neben ihrer Auflage schrumpfen alle anderen Zeitungen in Österreich zu Zwergen. Und alle Politiker zu Mikroben. Aber gerade deshalb hat sie stürmische Zeiten hinter sich, und zwar bald vierzig Jahre lang: Im Zuge der Olah-Affäre wurde sogar der Chefredakteur durch einstweilige Verfügung abgesetzt.

Und das war noch gar nichts gegen heute: Auch heute gibt es immer wieder aus Neid und Hass Bestrebungen, mit Verboten gegen die "Krone" vorzugehen. Am liebsten möchte man sie überhaupt verbieten. Dahinter kann nur der Westenthaler stecken, der schreckt ja nicht einmal vor einem Verbot des ÖGB zurück. Wenn ihn Jörg Haider nur nicht wieder zurückhält, wie beim ORF!

Wirklich tragisch aber das Los der Fellners. Da schleudern sie neben Computern, praktisch umsonst, Woche um Woche die heißesten, sensationellsten, tollsten, top- und hipsten Hefteln auf den Markt, und dann ergibt die Media-Analyse: Der Media-Analyse gingen - offenbar durch einen Befragungsfehler - im ersten Halbjahresbericht für 2001 Zehntausende junge Magazinleser "verloren". Nun würde man erwarten, dass die Media-Analyse darüber sehr traurig ist, aber nein: Nahezu alle heimischen Magazinverlage sind sauer.

Wieso die Magazinverlage sauer sein sollen, wenn der Media-Analyse Zehntausende junge Magazinleser "verloren" gehen, statt froh zu sein, dass nicht sie betroffen sind, wird nur verstehen, wer bei Fellners lernt, wie Marktschreier Misserfolge kaschieren. Heftiger Streit um die Media-Analyse, heißt es im "tv-media" von dieser Woche. Noch sind die heimischen Meinungsforscher ratlos - nur das Faktum ist unbestritten: Nach einer Änderung der Eingangsfrage und der Befragungsmethode bei der heimischen Media-Analyse fehlen praktisch allen heimischen Magazinen zwischen 15 und 50 Prozent ihrer jungen männlichen Leser unter 40 Jahren.

Also doch den Magazinen und nicht der Media-Analyse? Ja, aber diese Richtigstellung ist auch schon das Einzige, was an diesem Satz stimmt. Die Meinungsforscher sind keineswegs ratlos, und es fehlen auch nicht praktisch allen heimischen Magazinen junge männliche Leser unter 40 Jahren. Bei zwölf abgefragten Magazinen finden sich unterschiedliche Steigerungen der Reichweite bei Männern unter 40, bei neun anderen Magazinen blieb die Reichweite unverändert.

Jetzt schäumen die Magazin-Verlage, die diesen Umfragefehler nicht auf sich sitzen lassen wollen. Welche Magazin-Verlage? Außer von Formil liegt bisher von keinem Magazinverlag Schäumendes vor. Und welcher Umfragefehler? Eine Filterfrage könnte (vor allem junge männliche) Internet-Nutzer irrtümlich aus der Befragung ausgeschieden haben, vermuten die Schäumer des Hauses Fellner. Der viele Schaum scheint ihnen indes zu Kopf gestiegen zu sein.

Denn die Filterfrage, nämlich die Einschränkung der Abfrage auf die Printausgaben der Zeitungen und Zeitschriften, wurde mit voller Absicht und ausdrücklicher Unterstützung der Formil-Vertreter im Verein Media-Analyse eingebaut. Daher kann auch niemand irrtümlich aus der Befragung ausgeschieden worden sein, es sei denn, Jungleser der Fellner-Magazine sind für Irrtümer besonders anfällig - sonst hätte dieser Ausscheidungseffekt bei STANDARD-Lesern viel stärker wirken müssen, da sie Internet intensiver nutzen.

Statt sich in Schaumschlägereien zu flüchten, sollten die Fellners lieber von Dichand lernen: Auch heute gibt es immer wieder aus Neid und Hass Bestrebungen, mit der Media-Analyse gegen Formil vorzugehen. Und unbedingt: Nichts in Österreich wird weniger verziehen als Erfolg.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. September 2001)