Wien - Der Bankkonzern der Raiffeisen Zentralbank (RZB) setzte im ersten Halbjahr 2001 sein dynamisches Wachstum fort, stellte Generaldirektor Walter Rothensteiner am Freitag in einer Pressekonferenz fest. Die Bilanzsumme sei um 18,8 Prozent auf 43,3 Mrd. S (595,8 Mrd. S) ausgeweitet worden, die Zahl der Mitarbeiter sei um 17,9 Prozent auf 9400 gestiegen. Rund 70 Prozent davon seien in den Töchtern in Mittel- und Osteuropa beschäftigt, wo heuer 1400 Arbeitsplätze neu geschaffen worden seien. Auch mit der Ertragsentwicklung zeigte sich Rothensteiner sehr zufrieden. Der Halbjahresüberschuss vor Steuern sei um 36,6 Prozent auf 127,9 Mio. EURO gestiegen. Knapp die Hälfte des Anstiegs sei allerdings auf die erstmals vorgenommene Bewertung nach IAS (International Accounting Standard) zurückzuführen. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern sei auf 16,3 Prozent gestiegen und damit die höchste aller österreichischen Großbanken. Dass die RZB "die einzige rein österreichische Großbank in diesem Lande" ist, wie Rothensteiner betonte, sei im Privatkundengeschäft als Argument sehr vorteilhaft. Im Großkundengeschäft trage die Fusion von Bank Austria und Creditanstalt dazu bei, dass die RZB verstärkt als zusätzliche Bankverbindung in Anspruch genommen werde. Besonders erfreut zeigte sich Rothensteiner über "das Umtaufen der Bank-Austria-Töchter in Mittel- und Osteuropa" auf HVB (HypoVereinsbank). Schließlich habe die Bank Austria in dieser Region in den vergangenen zehn Jahren eine gute Marke aufgebaut, die damit verloren gehe. Auslandspartner In die RZB-Ostholding, die Dachgesellschaft für die Raiffeisen-Tochterbanken in elf Reformstaaten, soll jetzt für Auslandspartner geöffnet werden, um das Kundenpotenzial in dieser Region zu erweitern. Die RZB werde allerdings maximal 49 Prozent abgeben, sagte Rothensteiner, der keinen Zweifel daran ließ, dass ihm zwei oder drei ausländische Partner lieber wäre als "ein einziger Riese". Der "Riese" sitzt allerdings bereits im Datenraum der RZB. Als erster der "vier bis fünf Interessenten" habe sich der französische Crédit Agricole zu einer Due Diligence entschlossen. Die Frage nach den Namen der weiteren Interessenten wollte der RZB-Chef nicht beantworten, er teilte aber mit, dass sie "aus Westeuropa, nicht aus Skandinavien" kämen. Gespräche mit der DZ-Bank, dem gemeinsamen Spitzeninstitut von Raiffeisen und Volksbanken in Deutsch- land, würden aufgenommen. Die Due Diligence soll bis Jahresende abgeschlossen sein, Entscheidungen erst nächstes Jahr fallen. In Österreich kann sich Rothensteiner eine engere Kooperation mit dem Volksbankensektor vorstellen. Eine Fusion der Auslandstöchter von RZB und ÖVAG, dem Spitzeninstitut der Volksbanken, bezeichnete er jedenfalls als durchaus interessant. (gb, DER STANDARD, Printausgabe 8.9.2001)