Wien/Frankfurt - Mit einer blutroten Wochenbilanz haben sich die internationalen Aktienmärkte ins Wochenende verkrochen. Der deutsche Leitindex DAX rauschte auf den niedrigsten Stand seit rund zwei Jahren und notierte am Freitag um 17:20 Uhr MESZ bei 4.786,05 Punkten, das entspricht einem Absturz um 7,75 Prozent verglichen mit dem Schlusstand von letzter Woche. Nicht viel besser erging es dem Euro-Stoxx 50, der im Wochenvergleich 7,40 Prozent auf 3.467,94 Einheiten einbüßte. Der Dow Jones Industrial Index (minus 2,48 Prozent auf 9.703,00 Punkte) und der Nikkei 225 (minus 1,83 Prozent auf 10.516,79 Einheiten) wiesen etwas weniger erschreckende Wochensaldi aus. "Bärenmarkt" "Wir haben einen Bärenmarkt", stellte am Freitag ein Händler auf dem Frankfurter Börsenparkett fest. Harald Methlagl, internationaler Aktienanalyst bei der Erste Bank, hob besonders hervor, dass der Absturz bei hohem Volumen erfolgt sei. Technisch ortet der Experte im Bereich von 4.650 Punkten im DAX den nächsten Widerstand, der dem Tiefenrausch ein vorläufiges Ende bereiten könnte. Auch an der New Yorker Wall Street sieht es nicht besser aus. Am Freitag veröffentlichte das US-Arbeitsministerium Beschäftigungszahlen, die von Teilnehmern als "schreckliche Nachrichten" oder als "viel schlimmer als erwartet" bezeichneten. Hoffnungen, die Zinssenkungen der US-Notenbank um bereits 300 Basispunkte seit Jahresbeginn könnten das Blatt wenden, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sei er "sehr, sehr vorsichtig" meinte Methlagl. Dass Intel keine Gewinnwarnung ausgesprochen habe, zeige, dass die frühzyklischen Halbleiter jedoch "nicht so schlecht" aussähen. Für den Telekomsektor zeigt sich der Experte jedoch pessimistisch. Von Nokia sei eine Gewinnwarnung zu erwarten, die Planzahlen erscheinen "zu optimistisch". Auch die Nachrichten von Marconi und France Telecom hätten in dieser Woche enttäuscht. "Das Schlimmste kommt noch" Nach Einschätzung einiger Fachleute könnte daher trotz bereits horrender Verluste das Schlimmste an den Börsen noch kommen. "Die Trends der Aktienmärkte sind klar abwärts gerichtet. Eine maßgebliche Bodenbildung ist bisher nicht in Sicht", sind die Analysten der Frankfurter Sparkasse überzeugt. Für den Marktpsychologen Joachim Goldberg vom Institut Cognitrend gibt es ohnehin "noch zu viele Optimisten" - besonders unter professionellen Investoren. Eine Wende zum Positiven sei aber wie die Vergangenheit gezeigt habe erst möglich, wenn auch der letzte Börsianer kapituliere. (APA/dpa)