Es war die Stunde der klugen Köpfe im deutschen Fernsehen. Schlagersänger, Fernsehkommissare und Hollywood-Stars auf den anderen Kanälen blieben gegen Günther Jauchs mit Spannung erwarteter RTL-Show "Großer IQ-Test" ohne Chance. 100.000 Menschen warteten gespannt vor dem Computer und beteiligten sich schließlich per Mausklick an der teils langatmigen IQ-Show. Am Ende des Fernsehabends mit Einschaltquoten wie bei einem Fußball-Länderspiel oder der Formel 1 stand fest: Die intelligentesten Deutschen sind theoretisch Männer, Rechtshänder, Nichtraucher, und sie kommen nicht aus Thüringen. Ein hoch interessantes Experiment "Die Sendung ist ein hoch interessantes Experiment, das es noch nie im Fernsehen gegeben hat", verkündete Jauch, der die Show mit Ulrike von der Groeben moderierte, im Vorfeld des "Großen IQ-Tests". Nach Angaben von RTL verfolgten schließlich im Durchschnitt 9,67 Millionen Menschen am TV die Show. Im schlichten Studio spielten, in zehn Gruppen zu je 30 Kandidaten aufgeteilt, Blondinen, Glatzköpfe oder Kraftsportler zusammen mit Prominenten wie Johannes B. Kerner, Lilo Wanders oder Thomas Helmer. 81 Fragen und Problemstellungen aus dem Bereichen Technik, Rechnen oder Logik galt es in zehn bis 40 Sekunden zu beantworten. Blondinen im Test Handwerker lieferten sich einen verbissenen Kampf gegen die als bieder verrufenen deutschen Beamten, und natürlich wollten alle wissen, wie gut Blondinen abschneiden - manche von ihnen freilich keine "echten", sondern welche mit gefärbtem Haar, wie Jauch mit sicherem Blick feststellte. Prüfungsatmosphäre "Man sagt ja, Schauspieler seien eitel und dumm. Da kann ich ja nicht viel verlieren", sagte Schauspieler Hannes Jaenicke. Die Prominenz zeigte sich zunächst gelassen. Mit zunehmender Spieldauer verfinsterte sich bei manch einem jedoch die Miene. Es herrschte Prüfungsatmosphäre: Die Kandidaten auf der einen Seite, die Prüfer Jauch und von der Groeben, flankiert von drei Psychologen auf der anderen. Schon nach 25 Fragen war kein Teilnehmer im Studio mehr fehlerfrei, den ersten Promis war die Überraschung über das eigene "Nicht"-Wissen ins Gesicht geschrieben. Immerhin blieb ihnen wie den 300 anderen Teilnehmern eines erspart: Die "hohle Nuss" des Abends wurde nicht öffentlich gemacht. Rechtshänder intelligenter als Linkshänder? Weit nach Mitternacht präsentierten die Moderatoren die mit Jubel aufgenommenen Ergebnisse. Männer waren mit einem durchschnittlichen Intelligenzquotienten von 119 den Frauen um sechs Punkte überlegen. Rechtshänder setzten sich mit 117 über Linkshänder mit 110 hinweg, Nichtraucher waren Rauchern mit 118 zu 113 überlegen. Während Schleswig-Holsteiner mit einem IQ von 122 die "intellektuelle Elite" bildeten, waren die Thüringer (108) das Wissens-Schlusslicht. RTL dürfte angesichts der hohen Einschaltquote (Marktanteil zwischen 33 und 50 Prozent) die Sendungen fortsetzen. Als nächstes könnte die "Emotionelle Intelligenz" (EQ) gemessen werden, in der es um soziale Kompetenz geht. Das hat jedenfalls der Erfinder des "Großen IQ-Test", der Amsterdamer TV-Produzent Reinout Oerlemans, dem Privatsender vorgeschlagen. (APA)