Bild nicht mehr verfügbar.

Foto:APA/ Fehim Demir
Essen - Eigentlich weiß es jedes Kind: Zu viel Schokolade und Cola können nicht gesund sein. Nun verlangt ausgerechnet ein zuckerkranker Richter Schmerzensgeld von Coca Cola und dem Schokoladeproduzenten Masterfood. Die Branchenriesen seien zumindest Mitschuld an seiner Krankheit, glaubt Hans-Josef Brinkmann, Vizepräsident des Landgerichts Neubrandenburg. Am 12. November ist Gerichtstermin in Essen: Brinkmann gegen Coca Cola Deutschland. Fehlende Warnhinweise Wegen fehlender Warnhinweise will Richter Brinkmann 11.000 Mark (5.624 Euro/77.391 S) Schmerzensgeld und die Kostenübernahme für weitere Gesundheitsfolgen erstreiten. Für Coca Cola (Essen) oder Masterfood (Viersen/Rheinland) wohl eher eine Bagatelle. Aber kommt Brinkmann durch, könnte eine Prozesslawine mit Milliardenansprüchen folgen. Bis zum Bundesgerichtshof Der Richter, von Berufs wegen erfahren mit langen Prozessen, weiß, dass er den Weg bis zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe einkalkulieren muss. Klagen gegen die Ernährungsindustrie erfolgreich durchzuboxen, war schon schon immer schwer. Im Fall süßer Kindertees, die bei Dauernuckeln verheerende Zahnschäden anrichteten, erstritten Betroffene Anfang der neunziger Jahre Schadenersatz. Klagen neueren Datums gegen US-Tabakkonzerne oder Brauereien wegen fehlender Hinweise auf Suchtgefahren gingen in Deutschland so ziemlich unter. Wegen mangelnder Erfolgsaussichten wurde da schon einmal die Prozesskostenbeihilfe verweigert. Mitverantwortlich für Zuckerkrankheit Der Richter macht die Branchenriesen zumindest mitverantwortlich für seine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus II). Als er 1998 Nierenschmerzen verspürte, wies ihn die Fachärztin gleich ins Krankenhaus ein: akute Komagefahr, typisch für Diabetiker. Der 100 Kilo schwere Richter musste seine Lebensgewohnheiten umkrempeln, und siehe da: Die Pfunde purzelten. Klarer Fall für den Mittvierziger, dass Mars, Snickers und Coca Cola Schuld an seiner Krankheit sind. Kein Einzelfall Für die Fachwelt ist Brinkmann kein Einzelfall. Der Richter ist in Deutschland einer von mindestens fünf Millionen bekannten Diabetes-Fällen. 90 Prozent davon sind vom Typ II, erworbene Diabetes oder "Altersdiabetes" genannt. Der Krankheitsverlauf ist meist symptomarm, später können schwere Folgen wie Erblindung, Amputationen oder Nierenschäden auftreten. (APA/dpa)