Angelika stiehlt - schon seit Monaten. "Warum machen Sie das immer?", fragt der Richter. "Weil ich kein Geld hab'", übersetzt die Dolmetscherin.

Die Slowakin ist 30, dürfte gar nicht in Österreich sein und findet keinen legalen Job. Ihre sieben Monate alte Tochter lebt bei ihr in der Untersuchungshaftzelle. Außerdem ist Angelika im sechsten Monat schwanger. Das Kind wird sie nicht in Freiheit zur Welt bringen. Ein Schöffengericht verurteilt sie wegen Raubes und mehrerer Geldbörseldiebstähle zu zwei Jahren Haft. Dazu kommen 20 Monate, der Widerruf einer bedingten Strafe.

Franz (50) war Freigänger und wollte sich einen gemütlichen Abend beim Würstelstand am Wiener Praterstern machen. "Es waren meine ersten Biere nach sechs Wochen nix. Die sind eing'fahren", erinnert er sich. - Nicht nur diese. Angelika gesellte sich zu ihm. "Sie hat ihn gefragt, ob er Liebe machen möchte", weiß ihr Verteidiger. "Meine Freundin war damals nicht da", erklärt Franz den Schöffen. Also nahm er die Slowakin mit nach Hause auf ein paar "Baucherl" (Cola-Weinbrand). Hat es Sex gegeben? - Sie sagt ja. Er sagt nein: "In diesem Zustand hätt' ich gar nicht können."

Der Zustand wurde bald noch viel schlechter. Nach einer halben Stunde kippte Franz scheinbar grundlos weg. Ein Freund, der bei ihm anrief, erfuhr von der Slowakin: "Schatzi schläft schon." Um fünf Uhr früh wachte Schatzi auf und war seiner Männlichkeit vollständig beraubt. Es fehlten: eine Brokat-Halskette, eine Irrgang-Halskette (was immer das sein mag), drei dünne Halsketten, fünf Ketterlanhänger, Bargeld und - Angelika mitsamt ihrem vermutlich leeren Fläschchen K.-o.-Tropfen.

Kann es nicht auch der Alkohol gewesen sein? - "Hören Sie, ich komm' vom Land, Herr Rat", sagt Franz brüskiert, "ich kann noch so viel saufen - ich fall' net um!"

Angelika bleibt dabei: "Dieser hier ist von selbst eingeschlafen." Ihr Verteidiger meldet nach dem Urteil Berufung an. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 12.9.2001)