Wien - Am Mittwoch sind es 25 Jahre. Denn am Mittwoch wird das Vierteljahrhundert der Erstbesiedlung des Wohnparkes Alt-Erlaa gefeiert.

Für den Architekten der 3181 Wohnungen großen Anlage, den Wiener Harry Glück, Anlass genug, im STANDARD-Gespräch vor allem auf jenen Aspekt des Wohnparks (und anderer Glück-Bauten) einzugehen, der seiner Meinung nach von Stadtplanern und Wohnbauern aller Städte viel zu wenig Beachtung findet: Der Wohnzufriedenheit.

Die ist nämlich in "seinen" Wohnanlagen signifikant größer, als in anderen Wohnhausanlagen Wiens. Einzig im Einfamilienhaus mit Garten lebt es sich ebenso glücklich wie bei Glück. Das belegte 1987 eine Studie des Institutes für empirische Sozialforschung und 1999 eine Studie der Stadtplanung. Das unterstreicht eine im Februar vom Ökologieinstitut für Monika Forstingers (FP) Infrastrukturministerium durchgeführte Untersuchung: Mieter in Glück-Bauten geben deutlich öfter die Noten "Sehr gut" und "gut" als die anderer Großbauten.

Der Alptraum des "Citysprawling"

Die jüngste Studie bestätige zusammen mit den Ergebnissen der Volkszählung jedoch sein lange Jahre beinahe ohne Resonanz gepredigtes Mantra: Im städtischen Wohnbau gehe es "zu wenig um jene Werte, die die Bewohner dort gerne wohnen bleiben lässt." Dass der Traum vom Einfamilienhaus am Stadtrand in Nicht-Glück-Bauten öfter geträumt werde als in den von ihm errichteten Anlagen, trage zum Wahrwerden des Politiker-und Planer-Alptraumes "Citysprawling" bei: Der Fachbegriff beschreibt den Trend, aus den Stadtkernen ins weniger dicht besiedelte Umland der Metropolen zu ziehen - mit allen daraus resultierenden Logistik-, Infrastruktur-, Pendler-, Umwelt- und Finanzproblemen, die die Einfamilienhäuselbauer im "Speckgürtel" der Städte verursachen.

Zum Geburtstag seiner größten Wohnanlage, meint der Architekt, dürfe er grundsätzlich daran erinnern: "Der einzige Weg, die Stadtflucht zu bremsen, ist den Menschen Wohnungen zu bieten, die den Wunsch aufs Land zu ziehen gar nicht aufkommen lassen. Eine Binsenweisheit - aber sie wird beharrlich ignoriert." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. September 2001)