Wien - Im Verkehrsministerium findet heute die zweite Sitzung der "Tunnelkommission" statt. Die Runde unter dem Vorsitz des Verkehrsexperten Knoflacher wurde von Verkehrsministerin Forstinger nach den schweren Unfällen in den hemischen Tunnels im August eingesetzt."Tunnelinspektor" kommt Bei der Sitzung der Tunnelexperten sind klare Beschlüsse verabschiedet worden. Wie der Vorsitzende, Hermann Knoflacher mitteilte, soll noch in diesem Monat ein "Tunnelinspektor" eingesetzt werden, der die Umsetzung der Verbesserungen genau überwacht. Zur Kritik der EU an der Gefahrengutverordnung sei einstimmig beschlossen worden, dass durch EU-Recht die Menschenrechte verletzt werden könnten. Überwachung der Verbesserungen Bereits ab Ende September soll ein unabhängiger "Tunnelinspektor" die Umsetzung der beschlossenen Verbesserungen überwachen, gab Knoflacher bekannt. Der Experte werde direkt der Tunnelkommission berichten. Bei Verfehlungen werde es natürlich auch Sanktionen, etwa die Kürzung von Geldmitteln an die Länder, geben müssen. Wichtig für die Expertenrunde sei eine genaue Aufstellung, wann und wo wie viel Geld in Sanierung gesteckt wird. Bis zur nächsten Sitzung im November müssten laut Knoflacher Asfinag, ÖSAG und der Bund detaillierte Pläne vorlegen. Dann erst wäre es langsam möglich, "den Bestand in Ordnung zu bringen." Beleuchtung Schon jetzt werde das richtige Mittelmaß bei der notwendigen Beleuchtung gesucht. Ein Zuviel sei aber genauso schlecht wie zu wenig. Knoflacher: " Auf Kosten der Verkehrssicherheit darf nicht gespart werden." Gleinalm- und Bosrucktunnel auf der Pyhrnautobahn (A9) werden bereits laufend auf die Auswirkungen von Verbesserungen der Sicherheit gecheckt, berichtete Knoflacher. So hätte ein hellerer Anstrich im Gleinalmtunnel dazu geführt, dass die Autofahrer rund 15 Zentimeter weiter rechts fahren. Informationen via Radio Großes Interesse habe die Expertenrunde daran, dass im Tunnel permanente Informationen via Radio ausgestrahlt werden, hieß es. Die ersten Versuche hatte ein Sender mit dem Hinweis auf entgangene Werbung wieder abgebrochen. Knoflacher: "Wenn man im Tunnel nützliche Infos bekommt, ist das auch Werbung." EU-Kritik an Gefahrengutverordnung Nach der österreichischen Gefahrengutverordnung müssen Fahrzeuge mit gefährlicher Ladung in Tunnel ab einem Kilometer Länge ein gelbes Drehlicht einschalten, ab fünf Kilometer Länge benötigen sie ein Begleitfahrzeug. Der Transport verschiedener gefährlicher Güter auf der Straße ist verboten. Laut Kommissionsvorsitzendem Hermann Knoflacher hat die EU diese Verordnung deshalb kritisiert, weil einzig die Zulassungsbestimmungen des Heimatlandes für europaweite Transporte entscheidend sind. Nach dieser Auffassung wäre es theoretisch möglich, so der Experte, dass ein englischer Tankwagen Chlor mitten durch Wien befördert, obwohl bestehendes österreichisches Recht es verbietet. Ein Rechenmodell hätte ergeben, dass etwa bei einem Chlorunfall im Kaisermühlentunnel praktisch die gesamte Bevölkerung der vier angrenzenden Bezirke, Leopoldstadt, Brigittenau, Floridsdorf und Donaustadt getötet würde. Menschenrechte auf Leben und Gesundheit Die Kommission habe daher einstimmig Verkehrsministerin Monika Forstinger (F) die Stellungnahme vorgelegt, wonach die Menschenrechte auf Leben und Gesundheit über den EU-Rechten stehen, erklärte Knoflacher. Diesem Grundsatz entspreche daher auch die Gefahrengutverordnung. Auf Grund der großen Gefahr behalte sich die Expertenrunde auch vor, weitere Transportverschärfungen vorzuschlagen. Für die Zukunft wünscht sich der Verkehrsexperte, dass in allen Tunnelanlagen die modernen Standards berücksichtigt werden. Bei neuen Projekten sollten aber Alternativen zu die künstlichen Röhren überlegt werden. Zur Sicherheit könnten aber auch die Kraftfahrer beitragen, so Knoflacher. Laut einer Studie des KfV sind etwa 17 Prozent der Autofahrer mit weniger als einer Sekunde Sicherheitsabstand unterwegs. Besonders gefährliche "Drängler" seien die Lkw-Lenker. "Da brauchen wir moderne Techniken zu Abstandsmessung." (APA)