Wien - Bei Selbstmord-Attentätern kommt nach Angaben von Univ.-Prof. Gernot Sonnek, Vorstand des Instituts für medizinische Psychologie der Universität Wien, eine Reihe von Faktoren zusammen: "Da verbinden sich Wut und Hass mit politischen, ideologischen, ökonomischen und religiösen Motiven zu einer äußerst gefährlichen Struktur, wo es keinerlei Rücksicht mehr auf Regeln gibt", sagte Sonneck am Mittwoch zur APA. Was den Psychologen besonders interessiert, ist die Frage, "wie solche Leute offensichtlich schon einige Zeit unbemerkt in den USA gelebt haben können?". Andere Selbstmord-Attentate, wie man sie aus dem Nahen Osten kennt, würden oft in der Nähe von Ausbildungscamps stattfinden und die Attentäter geben unmittelbar vor dem Anschlag noch per Video-Aufzeichnung eine Verpflichtung ab, nicht in letzter Sekunde abzuspringen. Dies sei hier offenbar nicht der Fall gewesen. Man könne auch nicht sagen, dass bei solchen Attentätern die Vernunft aussetze. "Das ist deren private Logik, der Anschlag ist in deren Augen vernünftig, da sie der Meinung sind, das ist der Erzfeind und dieses Wirtschaftssystem ist der Teufel in Person", so Sonneck. Posttraumatischen Belastungsstörung Bei den in die Anschläge in New York und Washington Involvierten müsse man damit rechnen, dass ein hoher Prozentsatz unter einer so genannten posttraumatischen Belastungsstörung zu leiden haben. Dies äußere sich durch Übernervosität und Überaktivität, Betroffene würden bei jedem Läuten oder Flackern des Lichts zusammenschrecken. Außerdem kämen ihnen immer wieder die schrecklichen Bilder vor Augen. Es könne auch zu einer gefühlsmäßigen Abstumpfung kommen und die Menschen können nichts außer Angst und Schrecken empfinden. Betroffen davon können alle sein, die von dem Ereignis unmittelbar betroffen waren, also Überlebende, aber auch die Einsatzkräfte. Prinzipiell sei diese posttraumatischen Belastungsstörung aber gut behandelbar, betonte Sonneck. "Wesentlich ist, dass man den Betroffenen sofort Sicherheit und Geborgenheit bietet." Dann müsse die Konfrontation und die Aufarbeitung mit den Ereignissen beginnen und die Trauerarbeit, bis es letztlich zur Neuorientierung und Wiederanknüpfung an das vorherige Leben kommen könne. Die USA seien bei der Behandlung dieser Störung sehr gut und es gebe eine ausgezeichnete Infrastruktur dafür, betonte der Experte. (APA)