Wien/Washington - Wenn Attentäter sich und andere Menschen in den Tod reißen: "Kamikaze". Der aus dem Japanischen stammende Begriff bedeutet eigentlich "göttlicher Wind". Er geht auf zwei gescheiterte Invasionsversuche Kublai Khans auf den japanischen Inseln in den Jahren 1274 und 1281 zurück. In beiden Fällen wurde die chinesisch-mongolische Armee durch verheerende Stürme aufgerieben, die Invasionen scheiterten und nährten in Japan den Glauben an die heilige Unantastbarkeit der Inseln. Traurige Bekanntheit erreichte der "Kamikaze"-Begriff im Zweiten Weltkrieg, als japanische Kampfpiloten ihre mit Sprengstoff beladenen Maschinen absichtlich auf US-Kriegsschiffe lenkten. Univ.-Prof. Dr. Gernot Sonneck, Vorstand des Instituts für medizinische Psychologie der Universität Wien: "Da steht die Waffe im Vordergrund. Und zu ihrer Bedienung benötigen eben manche Gruppen noch Menschen. Der hoch technisierte Westen hat 'Cruise Missiles', eine Terrororganisation verfügt darüber nicht. Sie will möglichst großen Schaden anrichten - und benötigt zur Steuerung eben Menschen. Mit Selbstmord, mit dem Suizid, haben solche Taten aber überhaupt nichts zu tun." Nicht von Kultur oder Religion abhängig Gäbe es die Möglichkeit, ohne Aufsehen ein mit Sprengstoff beladenes Auto fernzusteuern, würde man ein solches System verwenden, so Sonneck. Der "Kamikaze"-Lenker aber sei nur das Werkzeug, das Mittel zum Zweck. Grundbedingung für solche Aktionen ist jedenfalls abgrundtiefer Hass. Sonneck: "Der Attentäter will einem gehassten Gegner, einem 'Teufel', so viel Schaden wie nur irgendwie möglich zufügen. Da ist Hass und Fanatismus im Hintergrund." Keinesfalls könne man jedoch sagen, dass manche Kulturen, Weltanschauungen oder Religionen dafür anfälliger als andere seien. Sonneck: "Mit 'Feuer und Schwert' sind die katholischen Missionare ausgezogen. Das ist zwar ein paar Hundert Jahre her, aber Fanatismus hat es immer wieder und überall gegeben. Man denke nur an den Überfall Deutschlands auf Polen. Da ist polnische Kavallerie mit eingelegten Lanzen gegen Panzer vorgegangen. Keiner der jungen Soldaten konnte annehmen, mit dem Leben davon zu kommen. In jeder Religion gibt es die Radikalinskis, die Fundis." Aber es müsse schon ein enormes Maß an Elend, Benachteiligung, Hass und Wut vorliegen, um Menschen in solche Taten zu treiben. Für den Kamikaze-Attentäter sei sein tödliches und Tod bringendes Handeln aber auch für die eigene Psyche wichtig. Sonneck: "Da werde 'ich' dann zum großen Freiheitskämpfer." - Eine grauenhafte Form der Verstärkung des eigenen Selbstwertgefühls ... (APA/red)