Wien - Das heutige Territorium Afghanistans, für dessen Eroberung Alexander der Große (der als Gründer der Städte Kabul, Herat und Kandahar gilt) im vierten vorchristlichen Jahrhundert mehr als zwei Jahre brauchte, war im Lauf der Geschichte Schauplatz von zahlreichen Invasionen - Arabern, Mongolen, Persern, Türken. In Afghanistan lebt eine Vielzahl von Völkern - Paschtunen, Tadschiken, Hazara, Usbeken, Kirgisen, Turkmenen, Belutschen u.a. Durch die verschiedenen Machtansprüche einzelner Volksgruppen und verfeindeter Stämme sowie die unterschiedliche Auslegung des Koran ist die ethnisch Mehrheit ist sunnitisch Die große Mehrheit ist sunnitisch, 15 Prozent, vor allem die Hazara, sind Schiiten. Dominierend sind seit der Machtergreifung der fundamentalistischen Taliban mit einem Bevölkerungsanteil von zwischen 40 und 60 Prozent die Paschtunen (Pathanen), die auch jenseits der Grenze in Teilen von in Pakistan leben. Neben ihrer Sprache Paschtu war Dari (Neupersisch) Staatssprache. Geschichte Afghanistans beginnt im Jahr 1747 Die nationalstaatliche Geschichte Afghanistans beginnt im Jahr 1747 mit der Proklamation von Ahmed Khan Durrani zum König. Der afghanische Staat wurde im 19. Jahrhundert in seiner Existenz immer wieder durch den Imperialismus der Briten und Russen in Frage gestellt, vor allem durch die drei afghanisch-britischen Kriege 1838-42, 1878-81 und 1919. Souveränität Afghanistans Der Vertrag von Rawalpindi vom 8. August 1919 beendete den dritten afghanisch-britischen Krieg. Nach Sowjetrussland, das diesen Schritt bereits im März 1919 getan hatte, anerkannte auch London die Souveränität Afghanistans unter König Amanullah, der zaghafte Versuche unternahm, den Reformen Atatürks in der Türkei und Schah Reza Pahlevis im Iran nachzueifern. Doch scheiterte Amanullah am Widerstand der moslemischen Geistlichkeit. Er musste 1929 abdanken und nach Europa ins Exil gehen. Sein Cousin Nadir bestieg daraufhin den Thron und hob die ersten an kemalistischen Modellen orientierten Neuerungen wieder auf. Gleichzeitig akzeptierte er umfangreiche sowjetische Militär- und Entwicklungshilfe. Zweiten Weltkrieg blieb Afghanistan neutral 1933 wurde König Nadir Schah in Kabul ermordet, sein Sohn und Nachfolger Zahir Schah regierte bis zum Sturz der Monarchie 1973. Im Zweiten Weltkrieg blieb Afghanistan neutral. Hof und Staatsapparat waren abhängig vom Wohlwollen der weitgehend autonomen konservativen Stammesführer. In den fünfziger Jahren leitete Zahir Schah eine Modernisierungspolitik ein, die von ausländischer, vor allem sowjetischer Wirtschaftshilfe flankiert wurde. Sowjetische Spezialisten trugen zur Erkundung und Erschließung der Naturressourcen bei und halfen beim Bau erster Industrieunternehmen. Afghanistan verfügt über zahlreiche Bodenschätze wie Steinkohle, Erdgas, Eisenerz, Chrom, Kupfer, Blei, Bauxit u.a., deren Erschließung jedoch auch in Friedenszeiten keine wesentliche Rolle in der Wirtschaft des Landes spielt. April-Revolution Zahir Schah führte ein Parlament ein, ließ aber politische Parteien nicht zu. 1965 wurde im Untergrund die kommunistische Partei ("Demokatische Volkspartei") gegründet. 1973 wurde der König während eines Auslandsaufenthalts von seinem Schwager Mohammed Daoud abgesetzt, der die Monarchie abschaffte. Daoud, der die bündnisfreie Außenpolitik Zahirs fortsetzte, wurde 1978 durch einen Putsch marxistischer Offiziere, der so genannten April-Revolution (Saur-Revolution, benannt nach dem afghanischen Monat des Stieres), gestürzt. Innerhalb der neuen Führung, die im Dezember 1978 mit der Sowjetunion einen Freundschaftsvertrag schloss, kam es zu heftigen Flügelkämpfen. Eine gescheiterte Bodenreform führte zum Ausbruch von Unruhen in verschiedenen Teilen des Landes. Blockfreies Land mit islamischer Bevölkerung Nachdem Präsident Nur Mohammed Taraki von seinem Rivalen Hafizullah Amin ermordet wurde, intervenierte die Sowjetunion im Dezember 1979 militärisch und setzte den Chef des KP-Minderheitsflügels Parcham (Flagge), Babrak Kamal, als Statthalter ein. Die erste sowjetische Invasion in einem blockfreien Land mit islamischer Bevölkerung war möglich geworden, nachdem sich das Verhältnis zwischen den USA und der UdSSR verschlechtert hatte, einerseits durch die Verzögerung des SALT-II-Abkommens und andererseits durch den NATO-Doppelbeschluss. 30 Mujaheddin-Gruppen gegen Sowjets Die mehr als 30 Mujaheddin-Gruppen, die den Kampf gegen die Sowjets aufnahmen, waren sich nur in der Ablehnung der Besatzungsmacht und der prosowjetischen Zentralregierung einig. Die völlig unterschiedlichen Zielsetzungen der "Heiligen Krieger" traten nach ihrem Sieg 1992 - der sowjetische Rückzug war bereits 1989 abgeschlossen - zutage und stürzten das Land in völlige Anarchie. Im Juni 1992 wurde der als gemäßigt geltende Burhanuddin Rabbani von einer "Großen Schura" (Rat der Weisen) zum Staatsoberhaupt gewählt. Militärischer Führer seiner Fraktion Jamiat-i-Islami war der Tadschikenführer Ahmed Shah Massud. Die verschiedenen Fraktionen, darunter die radikale Hezb-i-Islami von Gulbuddin Hekmatyar, die schiitische Hezb-i-Wahdat und die Usbekenmilizen des ex-kommunistischen Generals Abdul Rashid Dostum gingen wechselnde Bündnisse ein und kämpften erbittert um die Vormachtstellung. Taliban übernahmen 1994 die Macht über große Teile des Landes Mit Unterstützung des pakistanischen Geheimdienstes gelang es den ultrafundamentalistischen Taliban ab 1994 große Teile des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen und 1996 Kabul zu erobern. Die afghanische Volkswirtschaft wurde durch den Bürgerkrieg total zerrüttet, die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln ist nicht gewährleistet. Der einzige Exportartikel, der Devisen bringt, ist Rauschgift. Afghanistan wurde zum größten Opium-Hersteller der Welt. (APA)