Berlin - Der Ausbau der inneren und äußeren Sicherheit in Deutschland bringt die geplante Haushaltskonsolidierung des deutschen Finanzministers Hans Eichel (SPD) möglicherweise in Gefahr. Weitere Erhöhungen der Nettokreditaufnahme im Zuge einer von Berlin aktiv unterstützten Bekämpfung des Terrorismus hingen aber wesentlich vom Umfang der Maßnahmen ab, verlautete am Sonntag in Regierungs- und Koalitionskreisen. Die Union forderte die Bundesregierung auf, schon bis zur Fortsetzung der ersten Lesung vom 25. bis 27. September ihren Etatentwurf 2002 zurückzuziehen und durch eine neue, an die Sicherheitslage angepasste Vorlage zu ersetzen. Zusätzliches Geld für Militär Nicht mehr ausgeschlossen wird eine - insbesondere von der Union bekräftigte - Aufstockung des Bundeswehretats. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) sah im "Zeit Extra"-Interview (Montag) zwar keine unmittelbare Notwendigkeit dazu. Er fügte aber hinzu, es werde "zusätzliches Geld" bereitgestellt, wenn sich neue Dringlichkeiten ergeben sollten. Die Art des Beistands der USA nach den Terrorakten vom Dienstag entscheide jedes NATO-Land selbst. Innenminister Otto Schily hatte zuvor berichtet, zur Finanzierung der inneren Sicherheit sei er bereits mit den Haushaltsexperten im Gespräch. SPD-Fraktionschef Peter Struck erklärte kürzlich: "Was gebraucht wird, wird zur Verfügung gestellt." Derzeit sei aber keine Änderung am Haushaltsplan absehbar. Neuer Etatentwurf 2002 Finanzminister Eichel wollte noch am Sonntag mit der Führung seines Hauses zusammenkommen, um die finanzpolitischen Folgen des Terrorangriffs auf die USA und möglicher Gegenangriffe mit NATO- Duldung oder -Unterstützung zu erörtern. Dabei würden die jüngsten Ereignisse finanzpolitisch bewertet und die geplanten Aktivitäten der Steuer- und Finanzpolitik für die nächste Wahlperiode diskutiert, teilte Ministeriumssprecher Jörg Müller auf Anfrage mit. Den Hinweis in "Zeit Extra", im Ministerium werde bereits darüber nachgedacht, die Neuverschuldung über die bisherige Planung hinaus zu erhöhen, um dem Zusatzbedarf Rechnung zu tragen, wies er zurück. "Für die weiteren Haushaltsberatungen erwarten wir, dass die Bundesregierung einen neuen Etatentwurf 2002 vorlegt", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Peter Rauen. "Im Haushalt muss jetzt deutlich werden, dass die Bundeswehr überhaupt wieder bündnisfähig wird." Mit 23,6 Milliarden Euro oder 46,2 Milliarden Mark im Verteidigungsetat seien die Streitkräfte klar unterfinanziert. Der Betrag war nach langwierigen Auseinandersetzungen zwischen Eichel und Scharping bis 2006 jährlich eingefroren worden. Der Gesamthaushalt 2002 hat ein Volumen von 247,8 Milliarden Euro. Die Neuverschuldung soll bisher von 22,3 Milliarden in diesem Jahr auf 21,1 Milliarden Euro im nächsten sinken. Debatte zur Außen- und Verteidigungspolitik Übereinstimmend warnten Eichels Sprecher und der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, davor, "jetzt vorschnell vorzupreschen". Erst im Zuge der Ausschussberatungen werde geprüft, "ob Veränderungen, die sich durch die neue Sicherheitslage ergeben, bereits bei der Verabschiedung des Haushalts in zweiter und dritter Lesung Ende November aufgenommen werden können. Was bis dahin etatreif ist, wird in den Verhandlungen zwischen den zuständigen Fachministerien und dem Finanzministerium geklärt werden", sagte Poß. Nur bei großem Bedarf müsse man notfalls vorübergehend auch höhere Schulden hinnehmen. "Es wird aber keine Verschiebung der Prioritäten zu Lasten der Haushaltskonsolidierung geben." Alles andere wären falsche Signale an der Zinsfront und für die Konjunktur, meinte Poß. Das Finanzministerium will die Hilfszusagen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) an die USA uneingeschränkt umsetzen. Laut Rauen ist "nichts mehr so wie am vergangenen Dienstagmorgen zu Beginn der Haushaltsberatungen". Diese waren am Nachmittag des 11. September im Bundestag abgebrochen worden, nachdem radikal-islamische Terroristen die USA angegriffen hatten. Bei Fortsetzung der Beratungen folgt am Haupttag - dem 26. September - nach der Generalaussprache eine Debatte zur Außen- und Verteidigungspolitik. (APA/dpa)