Washington/New York - US-Präsident George Bush hat nach seiner Rückkehr nach Washington die Entschlossenheit zum Handeln nach den Terroranschlägen bekräftigt. Zugleich rief er die Bevölkerung auf, am Montag an die Arbeit zu gehen, sich möglicher Gefahren aber bewusst zu bleiben. Pakistan will am Montag eine Delegation nach Afghanistan entsenden, um die Taliban zu Auslieferung des Top-Terroristen Osama Bin Laden zu überreden. Unterdessen stellte das US-Justizministerium zwei neue Haftbefehle gegen "unentbehrliche Zeugen" in Zusammenhang mit den Terroranschlägen aus. Bush: "Wir werden es der Welt zeigen" Sicherlich hätten die Anschläge auch Wirkung auf die Wirtschaft gezeigt, erklärte Bush. "Das ist keine Frage, aber die Märkte eröffnen morgen, die Leute gehen an die Arbeit. Wir werden es der Welt zeigen", sagte der US-Präsident, der zuvor über das Wochenende in Camp David mit seinen Sicherheitsberatern Vergeltungsmaßnahmen erörtert hatte. Hauptverdächtiger ist für die USA der moslemische Extremist Bin Laden. "Wir müssen morgen wieder an die Arbeit gehen Bush sagte, die Nation werde sich von Terror nicht unterkriegen lassen. "Wir müssen morgen wieder an die Arbeit gehen, und wir werden es", erklärte Bush. "Aber wir müssen wachsam sein, da diese Bösewichte noch existieren." Die internationalen Finanzmärkte warten mit Spannung auf die Wiedereröffnung der Börse, die seit den Anschlägen auf New York und Washington vom vergangenen Dienstag geschlossen geblieben war. Als Zeichen der Anerkennung für die unermüdlichen Rettungsversuche werden Vertreter der New Yorker Polizei und der Feuerwehr um 09.30 Uhr (15.30 Uhr MESZ) die Eröffnungsglocke läuten lassen, wie eine Sprecherin der Börse am Sonntag mitteilte. Anschließend werde in zwei Schweigeminuten den vermutlich über 5000 Opfern des Terroranschlags gedacht. Langfristig Terrorbekämpfung Vize-Präsident Dick Cheney erklärte, der Kampf gegen den Terrorismus könne "lange Zeit, vielleicht Jahre" dauern. Im Fernsehsender NBC sagte er: "Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass es eine langfristige Unternehmung ist." Bush hatte am Samstag erstmals den in Saudiarabien geborenen Bin Laden als einen Hauptverdächtigen für die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon bei Washington bezeichnet. Bin Laden sagte der afghanischen Nachrichtenagentur AIP, er lebe in Afghanistan und habe mit den Anschlägen nichts zu tun. Delegation aus Pakistan soll Taliban überreden Nach Angaben der pakistanischen Militärregierung will eine Delegation am Montag in Afghanistan versuchen, die Auslieferung bin Ladens zu erreichen. Fernsehberichte, wonach Pakistan den regierenden Taliban ein dreitägiges Ultimatum zur Auslieferung bin Ladens gestellt habe, bestätigte die Regierung nicht. Das US-Justizministeriums hat unterdessen zwei weitere Haftbefehle ausgestellt. Das berichtete der US-Fernsehsender CNN Montag Früh. Damit wurden in Zusammenhang mit den Anschlägen in New York und Washington am Dienstag bisher vier Haftbefehle ausgestellt. Zwei Personen, die als "unentbehrliche Zeugen" gelten, sind bereits im Gewahrsam der Polizei. Jene zwei Personen, gegen die zuletzt Haftbefehle erlassen wurden, befinden sich noch auf freiem Fuß. Neue Anschläge befürchtet Sprecher der Sicherheitsbehörden erklärten, dass aufgrund der bisherigen Ermittlungen mit neuen Anschlägen gegen die USA gerechnet werden müsse. Insbesondere nach Beginn militärischer Operationen gegen den Terrorismus seien Vergeltungsschläge zu befürchten. Die Behörden der Stadt New York haben die Zahl der Vermissten in Zusammenhang mit den Anschlägen vom Dienstag nach unten revidiert. 4.957 Menschen würden vermisst, sagte Bürgermeister Rudolph Giuliani am Sonntagabend. Wenige Stunden zuvor war von 5.097 Menschen die Rede. Rund 40 Österreicher werden in den USA vermisst. 5.190 Tote Laut Giuliani wurden aus den Trümmern des World Trade Center bisher 190 Tote geborgen, 115 von ihnen wurden identifiziert. Fünf Tage nach den Selbstmordangriffen mit entführten Passagierflugzeugen gab es kaum noch Hoffnung, Überlebende zu bergen. In der Zahl der New Yorker Toten sind die 92 Insassen der American-Airlines-Boeing und die 65 der United-Maschine enthalten, die am Dienstag in die Türme flogen. Nach dem Absturz eines American-Jets auf das Pentagon wurden den bisherigen Ermittlungen zufolge 188 Menschen vermisst; darunter die 64 Flugzeuginsassen. Beim Absturz der entführten United-Maschine in Pennsylvania wurden 45 Menschen getötet. Nach diesem Zwischenstand muss mit dem Tod von 5.190 Menschen gerechnet werden. (APA/Reuters/AFP)