Kabul - Afghanistan befindet sich seit fast einem Vierteljahrhundert im Kriegszustand. 1996 kamen die Taliban-Milizen an die Macht. Sie haben das Land offiziell in "Islamisches Emirat Afghanistan" umbenannt. Das Taliban-Regime wendet das islamische Recht (Scharia) in der rigorosesten Form an. Es wird nur von drei Staaten anerkannt: Pakistan, Saudiarabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. (Saudiarabien und die Vereinigten Emirate haben die diplomatischen Beziehungen aber faktisch eingefroren). In der UNO ist Afghanistan durch die von den Taliban vertriebene Regierung des Präsidenten Burhanuddin Rabbani vertreten.Geografische Lage: Im Herzen Zentralasiens gelegen, ist dieses trockene und gebirgige Land (652.225 Quadratkilometer) von drei Ex-Sowjetrepubliken (Tadschikistan, Turkmenien, Usbekistan), China, Pakistan und dem Iran umgeben. Die Gebirgskette des Hindukusch mit einer Höhe von bis zu 8400 durchquert das Land von Ost nach West. Bevölkerung: 25,9 Millionen Einwohner (1999). In Afghanistan gibt es 19 ethnische Gruppen, die wichtigsten sind die Paschtunen (Pathanen) (rund 40 Prozent), die Tadschiken (25 Prozent), die schiitischen Hazara (acht Prozent) und die Usbeken (sechs Prozent). Hauptstadt: Kabul (über eine Million Einwohner). Die Stadt Mazar-i-Sharif im Norden des Landes, die derzeit zahlreiche Flüchtlinge beherbergt, ist die bevölkerungsreichste des Landes. Sprachen: Paschtu und Dari (Persisch der Tadschiken) sind die offiziellen Sprachen. Dazu kommen rund 30 andere Sprachen und Dialekte. Religion: Der Islam ist die offizielle Religion (80 Prozent Sunniten, 20 Prozent Schiiten). Afghanistan war vor der Eroberung durch die Moslems ein bedeutendes Zentrum des Buddhismus. Geschichte: Die paschtunische Dynastie der Durrani regierte Afghanistan von 1747 bis 1973, als ihr letzter Vertreter, König Mohammed Zahir Schah, gestürzt wurde. Er lebt in Rom im Exil. Im April 1978 bringt ein prosowjetischer Staatsstreich die Kommunisten an die Macht. Die sowjetische Armee marschiert im Dezember 1979 ein; sie zieht sich 1989 unter dem Druck der von den USA unterstützten Mujaheddin zurückzieht. Präsident Najibullah, von Moskau 1986 eingesetzt, wird am 16. April 1992 gestürzt und umgebracht. Damit beginnt der Bürgerkrieg. Die gut bewaffneten Taliban (Koranschüler), die sich im benachbarten Pakistan formierten, erobern mit pakistanischer Hilfe die Macht in Kabul am 27. September 1996. Sie waren stillschweigend von den USA unterstützt worden, die den Einfluss des Iran in der Region eindämmen wollten. 2001 kontrollieren die Taliban annähernd 95 Prozent des afghanischen Territoriums. Am 9. September 2001 wird Ahmed Shah Massud, der Kommandant der "Nordallianz", die die von den Taliban gestürzte offizielle Regierung präsentiert, bei einem Selbstmordattentat tödlich verletzt. Institutionen: Nach der Vertreibung des Präsidenten Burhanuddin Rabbani (gewählt von einer "Großen Schura" im Dezember 1992) setzen die Taliban 1996 ein vom Mullah Muhammad Omar geführtes Regime ein. Dieser befiehlt am 26. Februar 2001 die Zerstörung aller Statuen, darunter auch jene der vorislamischen Epoche wie die berühmten Buddha-Statuen in Bamiyan. Dies löst weltweit Proteste aus. Wirtschaft: Afghanistan steht am Rande einer humanitären Katastrophe, ausgelöst durch den Krieg und Hungersnöte, die eine Million Menschen bedrohen. 500.000 Afghanen leben in Lagern. Das Land überlebt hauptsächlich durch wirtschaftliche und humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen und ist der weltweit größte Produzent von Opium geworden: 3.656 Tonnen im Jahr 2000 (2.861 Tonnen im Jahr 1999). Verteidigung: Die Stärke der Taliban-Milizen wird auf 35.000 Mann geschätzt, im Vergleich dazu verfügt die "Nordallianz" über 10.000 bis 15.000 Kämpfer. (APA/AFP)