Alden Biezen - Gentechnisch veränderte Lebensmittel sind nötig, um auch in 15 Jahren noch die ganze Weltbevölkerung zu ernähren, argumentierte John Monyo von der UN-Organisation über Lebensmittel und Landwirtschaft (FAO), am Dienstag vor den EU-Agrarministern im belgischen Alden Biezen. Bis dahin werde die Weltbevölkerung auf 7,15 Milliarden Menschen steigen, der Lebensmittelbedarf werde sich verdoppeln. Das sei ein "gravierendes" Argument, so Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer (V) nach der informellen Sitzung der EU-Agrarminister im Gespräch mit der APA. Allerdings sei auch in Entwicklungsländern von Fall zu Fall zu prüfen, ob ein neues Produkt den erhofften Nutzen bringe. Die Erfahrung habe gezeigt, dass Pflanzen an spezifische Standorte angepasst sein müssten. Die Gentechnik könne nicht als pauschale Lösung für Probleme in der Entwicklungshilfe dienen. Molterer sprach sich für eine rationale Diskussion aus, in der jeder neuer genetisch veränderter Organismus (GVO) Schritt für Schritt und Fall für Fall beurteilt werde. "Weder die Brechstange noch die Totalverweigerung" könne die richtige Antwort sein. In Österreich herrsche aber "das Prinzip Vorsicht" vor. In der EU müssten drei Kriterien erfüllt sein: Sicherheit, Nachhaltigkeit und das Vertrauen der Konsumenten. Agrarkommissar Franz Fischler warnte in Alden Biezen vor einer pauschalen Ablehnung der Gentechnik: "Nichts wäre schädlicher, als passives Abwarten, die unbedingte Ablehnung der neuen Technologien oder Schlicht mit Angst auf Veränderungen oder neue Entwicklungen zu reagieren". Wenn die EU die Politik nicht selber gestalte, werde dies von anderen getan und das wäre schlecht für Landwirte, Forscher, Verbraucher und Unternehmen in Europa. Fischler hofft, dass die jüngsten Vorschläge der EU-Kommission zur Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von GVO helfen werden, das Vertrauen der Verbraucher zu stärken. Im Vorjahr (2000) waren bereits 44 Millionen Hektar Land in 13 Staaten, der Großteil in den USA, mit genetisch veränderten Pflanzen bebaut, erläuterte Moyo. Ein Viertel der Fläche lag in Entwicklungsländern. Der Wert der Ernte habe schon 1998 1,64 Milliarden Dollar (1,77 Mrd. Euro/24,3 Mrd. S) betragen, gut 20 Mal so viel wie im Jahr 1995 (75 Mill. Dollar). In Österreich ist derzeit das Auspflanzen von GVO verboten. Einer der vielen Stolpersteine für Wissenschafter sei die bisher nie da gewesene Opposition gegen genetisch veränderte Organismen durch "manche Teile der Gesellschaft, vor allem jenen, die noch nie mit einem leeren Magen schlafen gehen mussten", klagte Monyo. Die negative Medienberichterstattung sei sehr intensiv und emotional geworden. An die Bewertung der Sicherheits- und Umweltfragen müsse man aber wissenschaftlich und nicht emotional herangehen, meint Monyo. (APA)