Hamburg - Der Terroranschlag auf das World Trade Center hat nach Ansicht der amerikanischen Schriftstellerin Irene Dische die "schönsten Eigenschaften" der New Yorker geweckt. "Plötzlich benahm sich jeder tapfer, ganz gemäß alter Ideale vom Guten", schreibt die Autorin in einem Beitrag für die jüngste Ausgabe der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" : "Tugenden, die schon längst im gehetzten städtischen Überlebenskampf ruiniert schienen, lebten wieder auf". Der Horror habe die Stadt stolpern, aber nicht auf die Knie sinken lassen. "Im Gegenteil er erhob das ganze Land", schreibt die deutschstämmige Autorin, die in New York und Berlin lebt. Zu Disches bekannten Werken gehört der Prosaband "Fromme Lügen" (1989) und die Erzählung "Zwischen zwei Scheiben Glück", die 1997 mit dem deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde. Die Leben der Terroropfer in den USA bleiben nach Ansicht des amerikanischen Schriftstellers Richard Ford "unzerstörbar". In einem Interview mit der "Zeit" sagte der 57-jährige Autor: "Sie leben noch, in jedem Sinn, außer dem buchstäblichen". Ford betonte: "Leben so zu stehlen, wie ihre Leben gestohlen wurden - schnell, gewalttätig, unpersönlich, sinnlos, unanständig -, zerstört nicht nur ihre letzten, kostbarsten Momente, sondern droht uns alle zu überwältigen". Es gehöre zur "dichterischen Grundausstattung", dass die Tragweite des Todes gemessen werde an der Bedeutung, die das Leben hatte, das zu Ende ging. "So zu sterben, wie es so viele am vergangenen Dienstag taten - ihre einzigartigen Existenzen wurden kurz zu Schatten -, scheint ihre Leben gänzlich zu verdunkeln und zu entwerten", meinte der Schriftsteller. "Aber ihre Leben bleiben unzerstörbar, obwohl sie unglaublich verloren sind". (APA/dpa)