Die US-Regierung schnürt der notleidenden Luftfahrtbranche ein Hilfspaket in der Höhe von 223 Milliarden Schilling. Im Gegenzug schließt die EU staatliche Hilfen für Europas Airlines nicht mehr aus. Beides Maßnahmen, die nach den beispiellosen Terrorakten in New York und Washington notwendig wären, um die zu erwartende Belastungswelle für die Fluglinien abzufedern, lauten die Argumente jen- und diesseits des Atlantiks. Bei allem Respekt - und bei aller gebotenen Pietät: Es beschleicht einen der Verdacht, die Anschläge dienten als Vorwand, um ein Relikt aus den Tagen vor der Globalisierung zu beschönigen - den Protektionismus. Das Kalkül ist wohl, jetzt wage bestimmt keiner den Finger zu heben. Gelten Amerikanern (und Europäern) die hehren Ideale des Liberalismus nichts mehr, der Glaube an die aufbauenden Regulierungskräfte des Marktes, wenn es große Branchen im eigenen Land trifft? Finanzielle Unterstützung für im Wettbewerb befindliche Unternehmen? Verboten! So lautete doch das Credo der freien Welthändler, das ihnen bis heute teuer ist. Im Falle der großen internationalen, vor allem aber der US-Luftlinien standen große Strukturbereinigungen ohnehin bevor, der ruinöse Wettbewerb der vergangenen Jahre fordert seine Opfer, das kommt aber nicht einmal für Laien überraschend. Subventionen können die überfällige Restrukturierung der globalen Luftfahrt nur verzögern. Man kennt dies aus einer Fülle negativer Beispiele, wie der europäischen Werftindustrie. Schließlich, Subventionen hin oder her: Die Kosten tragen ohnehin die Konsumenten. Dass transatlantische Flüge demnächst drastisch teurer werden, ist so gut wie fix. Und dass der Service am Boden und an Bord sich durch die milden Gaben aus Washington und Brüssel verbessert, das glaubt eh niemand. (DER STANDARD, Printausgabe 20.9.2001)