"Liberation" Die französische Tageszeitung schreibt über die Auswirkungen der Terroranschläge auf die US-Wirtschaftspolitik: "Die Kamikaze-Killer vom 11. September haben auch einen tief greifenden Veränderungsprozess im Weißen Haus eingeleitet. George W. Bush hatte während seiner Wahlkampagne eine größtmögliche Zurückhaltung des Staates in Wirtschaftsfragen gepredigt. Dieser gleiche Mann verspricht heute eine massive Unterstützung des Staates für alle Wirtschaftsbereiche. Nach der versprochenen Sonderhilfe für die Luftfahrtgesellschaften will er jetzt die Staatsmacht gegen das Gespenst der Rezession einsetzen. George W. Bush wird zum Bauherrn eines neuen New Deal! Das heute Unglaubliche kann zur Realität von morgen werden." "Le Figaro" "Die westliche Unterstützung und Solidarität mit den USA ist nicht nur eine moralische Verpflichtung. Sie ist auch Zeichen des Zusammenhaltes einer Zivilisation. Man darf nicht vergessen, dass die amerikanische Tragödie in den islamischen Ländern mit Freude aufgenommen wurde, mit anti-amerikanischen Gefühlen in Afrika, Gleichgültigkeit in Südamerika und einer abwartenden Haltung in Asien. Ein großer Teil der Welt hat sich durch das amerikanische Drama nicht betroffen gefühlt. Was diese Völker überzeugen kann, ist keine Racheaktion, sondern das Ideal des Westens, das auf Demokratie und Fortschritt begründet ist. Statt eines schrecklichen Krieges der Zivilisationen, der nicht auszuschließen ist, sollte man einen Wettstreit der Zivilisationen vorziehen. Der Westen sollte seinen Zusammenhalt unter Beweis stellen." "ABC" "Nach einer Umfrage sind 63 Prozent der Pakistanis dafür, Afghanistan im Falle von US-Angriffen zu unterstützen. Pakistan hat allen Grund, sich vor den Folgen eines militärischen Konflikts im Nachbarland zu fürchten. Dem Land drohen massive Flüchtlingsströme, Terroranschläge und Aufstände von Islamisten. Es muss nun ein für alle Mal Klarheit schaffen, welches seine Haltung zum Terrorismus islamischer Extremisten ist. Pakistan sollte als Modell dienen für all die anderen moslemischen Staaten, die noch zwischen der Ablehnung des Terrors und dem Verständnis für die Täter schwanken. Pakistan befindet sich an einem Scheideweg, vor dem die gesamte islamische Welt steht." "TagesAnzeiger" "Bedrohung weckt Angst, und Angst macht oft blind. Auch deshalb ist das Thema innere Sicherheit gewiss nichts, worüber sich leidenschaftslos diskutieren ließe: Die Furcht vor einem wehrlosen Rechtsstaat prallt auf die Angst vor einem Ausverkauf von Grundwerten... Ein Sicherheitsverständnis, das aktuellen Bedrohungsbildern Rechnung trägt, wird sich gewiss nicht allein auf die traditionellen Instrumente - Militär, Polizei, Nachrichtendienste - stützen können. Aber es wird auf diese Institutionen nicht verzichten können. Die Zeiten, da man bedenkenlos bei der Polizei kürzte und laut über die Abschaffung von Geheimdiensten nachdachte, dürften jedenfalls vorbei sein. Gegenüber Intoleranz ist der Rechtsstaat nicht zu Toleranz verpflichtet." "Politiken" "Die große Koalition, um deren Bildung sich die USA derzeit bemühen, hat ihren Preis. Dass Länder wie Pakistan und vor allem Saudiarabien dabei sind, die einen erheblichen Teil der Verantwortung für die starke Stellung fundamentalistischer Strömungen unter Moslems in unserem Teil der Welt tragen, ist weder schön noch langfristig haltbar. Auch Russland und China haben Wünsche mit Blick auf innere Probleme parat, die bestimmt nicht unproblematisch sind. Auf der anderen Seite müssen die so genannten moderaten Länder mit dabei sein, wenn die USA wirklich Resultate erreichen und eine Konfrontation mit allzu großen Teilen des arabischen Islam vermeiden wollen. Es ist zu hoffen, dass die USA nicht vergessen, dass derartige Regimes nicht nur ein Teil der Lösung, sondern in hohem Maße ein Teil des Problems sind. ... Bemerkenswert aber bleibt, dass die Welt sich in diesen Wochen unter der verbissenen Führung der USA nicht einfach nur in Richtung auf mehr Unordnung bewegt, sondern offenbar doch als Gruppe handeln und weiterkommen will." "Nesawissimaja Gaseta" Die in Moskau erscheinende Tageszeitung warnt die russische Führung am Donnerstag vor einer voreiligen Beteiligung an Angriffen gegen Terroristen: "Ein Schlag gegen ein falsch ausgewähltes Ziel würde nur die Leiden unschuldiger Menschen vermehren. Zudem kämen die wahren Verantwortlichen für die amerikanische Tragödie ungeschoren davon. Russland hat die verlockende Chance erhalten, sich der Elite-Gesellschaft anzuschließen und sich mit der NATO anzufreunden. Die russische Führung zögert jedoch, auf den vorbeifahrenden Panzerzug der NATO zu springen. Das macht Moskau richtig. Wenn es nach Pulver und viel Blut riecht, ist keine Eile angebracht. Es ist nicht verkehrt, zuvor zu fragen: 'Gegen wen wollen wir Freundschaft schließen?" "Pravo" Die linksliberale tschechische Tageszeitung schreibt: "Nach den Anschlägen in den USA sollten weder Trauer noch der Ruf nach Vergeltung den Blick verschleiern. Die Täter müssen bestraft werden - aber eben nur sie. Wenn Osama bin Laden diesen Terror verursacht hat und seine Festnahme auch mit Waffengewalt erreicht werden sollte, wird dies fast überall auf der Welt als Gerechtigkeit begrüßt werden. Eine Mobilmachung gegen den Islam ist aber völlig fehl am Platz. Es wäre fatal, die Welt noch einmal nach dem Motto 'Wer nicht für uns ist, ist gegen uns' bipolar zu teilen. Und es wäre ein Sieg der Terroristen, wenn wir im fieberhaften Kampf den vielleicht wichtigsten 'westlichen Wert' verlieren würden - den kritischen Verstand."