Brüssel - Nach den Terroranschlägen sei auch eine neuerliche Diskussion über das Bankgeheimnis möglich, sagte Österreichs Justizminister Dieter Böhmdorfer (F) am Donnerstag in Brüssel am Rande des EU-Ministerrates. Es spreche derzeit alles dafür, Terrorismus energisch zu bekämpfen. Diese Aussagen seien "keine indirekte Freigabe des Bankgeheimnisses - aber diskutieren wird man alles", so der Minister am Donnerstag vor Journalisten. Das österreichische Bankgeheimnis schütze keine Gelder des internationalen Terrorismus, eine Auflösung verhindere keine Anschläge. So lautete am Donnerstag die relativ übereinstimmende Antwort österreichischer Banker auf Forderungen vor allem aus Großbritannien, Länder mit Bankgeheimnis mögen dieses im Kampf gegen den Terrorismus jetzt auflockern. Nach Aussagen der Bank Austria, der größten Bank in Österreich, ist das Bankgeheimnis "an jenen Stellen locker genug, wo es darum geht, übergeordnete Interessen wahrzunehmen, Verbrechen nicht zu schützen". Durchbrochen werden kann das Bankgeheimnis u.a. bei eingeleiteten Strafverfahren und bei Verdacht auf Geldwäsche. "Mit Kanonen auf Millionen kleiner Sparer schießen" Wie schon zuvor die schweizerische Bankiersvereinigung als "opportunistisch" zurückgewiesen hat der österreichische Volksbankenverband die Lockerungs-Aufforderung aus Großbritannien. Es dürfe, so tragisch die Terroranschläge in den USA seien, nicht jede Gelegenheit und Krise zum Anlass genommen werden, um am Bankgeheimnis zu rütteln, meint man in dem Verband. "Ich glaube nicht, dass mit der Auflösung des Bankgeheimnisses auch nur ein Anschlag verhindert werden kann", sagt Verbandschef Hans Hofinger. Es gebe andere Möglichkeiten, verdächtige Geldgeschäfte zu unterbinde. Hier wolle man "mit Kanonen auf Millionen kleiner Sparer schießen". "Ausreichend" Schon am Wochenbeginn hatten Bundeskanzler und Finanzminister die derzeitigen Bestimmungen, das Bankgeheimns bei Bedarf aufzuheben, als ausreichend bezeichnet. Laut Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Finanzminister Karl-Heinz Grasser ist alles zu unternehmen, dem Terrorismus das Geld abzugraben. Dazu bedürfe es breiter internationaler Zusammenarbeit. Da dürfe es kein Abseitsstehen geben, der Finanzplatz Österreich werde dies "im eigenen Interesse" machen. Die Abschaffung der Anonymität sei da "durchaus richtungsweisend" gewesen, der Finanzminister sagte, er sehe aktuell keinen Anlass noch etwas "nachzulegen." Der britische Finanzminster Gordon Brown hatte am Mittwoch vor allem an die Schweiz appelliert, das Bankgeheimnis zu lockern. "Länder mit einem traditionell streng gewahrten Bankgeheimnis" müssten das "Gleichgewicht zwischen Freiheit und Sicherheit" (APA) akzeptieren und Transaktionen, die auf terroristische Aktivitäten hinweisen könnten, melden, forderte der britische Finanzminister.