Wien - Die Medizin der Zukunft, die Heilkunde im 3. Jahrtausend: Diesem Generalthema widmet sich der 55. Van Swieten-Kongress, der am Donnerstag am Wiener AKH begann und bis 22. September läuft. Fazit laut den Aussagen der Experten bei einer Pressekonferenz: Die Medizin der Zukunft wird individueller auf den einzelnen Patienten abgestimmt sein, die Behandlung wird schon vor dem Auftreten von Symptomen einsetzen - und schließlich wird sie unter einem optimalen Mitteleinsatz (Technik, Personal, Gelder) erfolgen müssen. Univ.-Prof. Dr. Michael Zimpfer, Vorstand der Universitätsklinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedzin: "Der Trend geht in eine mehr und mehr individuellere Patientenbetreuung. Jetzt ist es so, dass man erst auf die Idee zur Behandlung kommt, wenn Symptome auftreten. In Zukunft wird man schon vor dem Auftreten von Krankheitszeichen therapieren." Die weiteren Konsequenzen: Die Aufwendungen an Diagnostik und Behandlung für den einzelnen Patienten werden ebenfalls wesentlich individueller werden müssen. Das gilt ebenso für die eingesetzten finanziellen Mitteln. Stolz Das fordert auch die Gesundheitspolitik heraus. Die Wiener Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann: "Österreich und Wien haben eines der besten Gesundheitswesen weltweit. Wir waren im WHO-Ranking auf Platz neun. Die USA waren hingegen auf Rang 37." Bei wesentlich mehr Mitteleinsatz als Österreich mit einem bloßen Anteil der Gesundheitskosten von 8,4 Prozent am Bruttoinlandsprodukt, wären auch Deutschland (mehr als zehn Prozent) und die Schweiz auf Rängen über 20 schlechter positioniert. Wien - so Pittermann - würde hier beispielsweise in der Ausbildung von Ärzten und Personal für das Gesundheitswesen Agenden für ganz Österreich übernehmen: "Das ist der 'Wasserkopf Wien', wenn wir Aufgaben übernehmen, die andere Bundesländer wahrzunehmen hätten. Ich bekenne mich dazu." Das Wiener AKH sei das "Zentrum, das Flaggschiff" der österreichischen Medizin. Spezialgebiete Neben der Onkologie, der molekularen Medizin und - aktuell nur umso mehr betont - der Katastrophenmedizin steht auch die Gesundheits- und Forschungspolitik im Mittelpunkt des Kongresses. Der designierte Leiter des AKH als zukünftiger Teilbetrieb des Wiener Magistrats, Univ.-Prof. Dr. Reinhard Krepler: "Wir müssen die Forschung weiter fördern. Es gibt noch immer mehr Krankheiten, die gut diagnostizierbar sind als solche, die wir gut behandeln können." Was auf jeden Fall kommt: die Hightech-Biotechnologie-Medizin. Ein Beispiel, das beim Van Swieten-Kongress diskutiert wird: Die Entwicklung von Krebs-Impfungen mit gentechnisch veränderten dendritischen Zellen, die dem Körper bestimmte Antigene von Tumorzellen zur Steigerung der Stärke der Abwehrreaktion besser darbieten sollen. Chirurg Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant: "Es wurden dabei über 180 Impfungen durchgeführt. Bei 16 von 20 Patienten konnten Hinweise auf das Erzielen spezifischer Immunität nachgewiesen werden." Ein weiteres Thema: die Katastrophenmedizin. Laut Krepler ist man hier am Wiener AKH mit eigener Feuerwehr, Notfallaufnahme, Einsatzplänen, "Bunker-Garage" und anderen Einrichtungen besonders gut vorbereitet. Bereits am 11. September sei auch sofort eine Weisung an alle Stellen ergangen, die Notfallspläne genau zu kontrollieren. Man arbeite bei den Planungen auch mit israelischen Stellen zusammen. Das nächste Projekt: Die Wasserversorgung des Wiener AKH soll durch einen eigenen Brunnen autark werden.(APA)