Wien - Trotz der jüngst großen Erfolge österreichischer Filme bei internationalen Festivals kommen die nicht zuletzt von den Filmschaffenden als notwendig betrachteten Gespräche über weitere Förderungs-Initiativen vorerst nicht vom Fleck. Wie die SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen am Donnerstag in einer Aussendung mitteilt, ist ein Antrag auf Abhaltung einer Film-Enquete im parlamentarischen Hauptausschuss von ÖVP und FPÖ am Mittwoch auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Warten auf EU-Startschuss Muttonen hält "dieses Vorgehen im Hinblick auf die drastischen Kürzungen im Bereich des österreichischen Films geradezu fahrlässig". ÖVP-Kultursprecherin Andrea Wolfmayr verweist hingegen auf einen am 5. und 6. Oktober in Belgien stattfindenden informellen Kulturministerrat, der "den Startschuss für einen Diskussionsprozess" zum Thema Filmfinanzierung bilden soll. Für Kunststaatssekretär Morak (VP) meinte Sprecherin Katharina Stourzh: "Grundsätzlich spricht gegen eine Abhaltung einer Enquete nichts, sobald auf EU-Ebene der Prozess weiter gediehen ist." Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP), einer der Hauptinitiatoren der Enquete, bedauert auf Anfrage, "dass der Bund unsere Gesprächsangebote immer wieder ablehnt und nur auf das kommende Privatfernsehen verweist, das offenbar die Probleme lösen soll. Es zeigt von gewisser Ratlosigkeit und Ignoranz dem österreichischen Filmschaffen gegenüber. Ich werde von Seiten der Stadt Wien alle, die daran interessiert sind, auch das Land Niederösterreich, einladen, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen." Erste, mit Vertretern der Filmwirtschaft erarbeitete Vorschläge sollen im Oktober präsentiert werden. Mailath-Pokorny: "Wir peilen eine größere Lösung an - und sind auf einem guten Weg dorthin." Private Kapitaleinbringer gesucht In Hinblick auf den informellen EU-Treffen meinte ÖVP-Kultursprecherin Wolfmayr: "Ein österreichischer Alleingang und eine Präjudizierung in dieser Frage kann vor diesem Hintergrund nicht zielführend sein. Nach Abschluss dieses Meinungsbildungsprozesses wäre die Abhaltung einer international besetzten Enquete durchaus sinnvoll." Es gehe nicht allein um Aufstockung der Filmförderung, sondern um "eine nachhaltige Strukturreform in diesem Sektor, um Anreize zu schaffen, auch private Mittel zu lukrieren". Um "endlich nachhaltige Effekte für die österreichische Filmbranche zu erzielen" brauche es "eine gemeinsame Anstrengung mit den Produzenten, die auch Kapital einbringen müssen." "Dass hier etwas getan werden muss, ist völlig klar. Es ist nicht so, dass nichts passiert, wir sind in Gesprächen", meinte Morak-Sprecherin Stourzh, "Eine der wichtigsten Fragen ist: Was können wir tun, dass Risikokapital vorhanden ist? Es geht um strukturelle und nachhaltige Verbesserungen, nicht größere Fördertöpfe. Da sind auch die Länder gefordert." Zeitdruck Für SP-Kultursprecherin Muttonen ist Zuwarten Ausdruck von "geradezu atemberaubender Ignoranz", da sich angesichts massiver Budgetkürzungen und drohender Rückgänge im Bereich der Auftragsproduktionen durch die kürzlich beschlossene ORF-Reform die Rahmenbedingungen für die österreichischen Filmschaffenden dramatisch verschlechtert hätten. "Schüssel und Morak schweigen weiterhin und haben den dringend notwendigen parlamentarischen Krisengipfel für den österreichischen Film hinausgeschoben." (APA)