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"Four more years!" (Vier weitere Jahre) wird dem New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus als Held gefeiert wird, bei seinen öffentlichen Auftritten immer wieder zugerufen. Trotz des Schocks und der Trauer, die die New Yorker erlitten haben, kommt ihnen eine Woche nach dem Attentat zum Bewusstsein, dass Giuliani von Rechts wegen nicht noch einmal kandidieren kann und dass ab 1. Jänner 2002 ein anderer Bürgermeister in die Residenz Gracie Mansion einziehen wird. Giuliani hat zunächst abgewunken - aber er kann sich dem Ruf, den "zweitschwersten Job der Welt" weiterhin auszuüben, nicht gänzlich entziehen: "Ich weiß die richtige Antwort nicht", erklärte er Dienstag in einem Interview. Er hätte auch keine Zeit gehabt, sich mit solchen Gedanken auseinander zu setzen. Sowohl die Legislative des Staates New York als auch Gouverneur George Pataki müssten ein neues Gesetz schaffen, um Giuliani im Amt zu halten. Und trotz des Geistes der Überparteilichkeit, der während der vergangenen Woche in New York herrschte, bestehen Zweifel, ob eine derartige Gesetzgebung im demokratisch dominierten Senat des Staates Chancen hätte. Bisher hat noch niemand eine andere Möglichkeit initiiert, nämlich ein Zusatz zur Charta der Stadt, der eine Sonderwahl unter den Bürgern der Stadt erfordern würde. Giuliani leitet Lob weiter Der Bürgermeister selbst leitet das Lob, das ihm von allen Seiten zuströmt - von einigen wird er sogar mit Winston Churchill während des Blitzkriegs auf England verglichen - an die New Yorker Bevölkerung weiter: Sie sei es gewesen, die während der letzten Woche wahre Courage bewiesen habe. Aber Giulianis eigene Aktionen sprechen gleichfalls Bände: Am 11. September gelang es ihm in letzter Minute, einem gefährdeten Gebäude in unmittelbarer Nähe des World Trade Centers zu entkommen - mit Schutt und Asche bedeckt stellte er sich vor die Kameras, um die New Yorker zu informieren. Er arbeitet rund um die Uhr, verbringt täglich einige Stunden auf "Ground Zero" (von einigen auf "Ground Hero" umbenannt) und koordiniert dazwischen die Aktivitäten der Stadt. Sogar einige von Giulianis vehementesten Gegnern, etwa der schwarze Reverend Al Sharpton, fanden Worte des Lobes: Es habe ihn beeindruckt, dass der Bürgermeister sofort zur Toleranz für Minderheiten, besonders für Amerikaner arabischer Herkunft aufgerufen habe. (DerStandard,Print-Ausgabe,21.9.2001)