Das kleine "X" in der Jugendschutzecke des Fernsehbildes war wohl ein Versehen: Als Dienstagnacht endlich die "zotige" US-Serie Sex & The City auch auf Deutsch das Licht der Fernsehwelt erblickte, tauchte schnell die Frage auf, was daran um Himmels Willen alle so toll und gar gewagt finden können. Vielleicht ein Fall von traurigem Einzelschicksal? Auf die Ausstrahlung folgten also am Mittwoch ausführliche Evaluierungen in Form von Einzelgesprächen und Expertinnenrunden im privaten Kreis. Leider herrschte dort jedoch - mit Ausnahme des vorsichtigen Verweises auf die sprachlichen Qualitäten des englischen Originals - ein seltsames Einvernehmen darüber, dass man wohl einer großen Propaganda-Seifenblase aufgesessen war: Zusammenfassend lässt sich nach der ersten Doppelfolge demnach festhalten: Sex & The City - das Sittendrama für die allein stehende Mittdreißigerin - ist in Wahrheit mäßig komisch. Selbst für gelegentliche Leserinnen von Frauenzeitschriften-Problemecken oder -kolumnen absolut berechenbar. Für die Belebung der Fernsehlandschaft wie des persönlichen Programms (schon mal mehr gelacht) jedenfalls verzichtbar (gebt uns unser Absolutely Fabulous wieder!). Und eine Art männlichen Stellvertreter Gottes auf Erden, der der Heldin am Ende mit seinem Weltwissen dann wieder den Kopf zurechtrücken und das bisschen kämpferischen Wind aus den Segeln nehmen darf, den braucht aber schon wirklich gar keine. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 9. 2001)