Wien - Der frühere tschechische Vizepremier Miroslav Macek, 52, der zuletzt als stellvertretender Vorsitzender der Václav-Klaus-Partei ODS und Schattenminister für das Gesundheitswesen fungierte, hat sich vor wenigen Tagen zur Gänze aus der Politik zurückgezogen. Offiziell nannte er zwar "persönliche Gründe" für seinen überraschenden Abgang (neue Ehe, Pflege der kranken Mutter), tschechische Zeitungen berichteten allerdings, er sei vor allem über eine Millionenspende der Erste Bank gestolpert. Bei der Privatisierung der Ceská Sporitelna, bei der die Erste Bank schließlich den Zuschlag erhielt, fungierte die Firma Ceboc (deren Direktor der frühere Kurier -Geschäftsführer Ernst-Gideon Loudon ist) als Berater der Erste Bank. Kontakte Ceboc wieder sicherte sich Macek als Helfer und entlohnte ihn dafür mit zehn Mio. Kronen (rund vier Mio. S oder 291.000 Euro). Macek sollte vor allem Kontakte zu den "richtigen" Leuten vermitteln. Was den tschechischen Zeitungen besonders sauer aufstieß, war der Zeitablauf rund um das Macek-Engagement. Im September 1999 wurde die Erste Bank von der Privatisierungskommission als einziger ernsthafter Bewerber für die Ceská Sporitelna empfohlen, im Februar 2000 erhielt sie den Zuschlag, rechnet die Wochenzeitung Respekt vor. Der Konsultationsvertrag zwischen der Ceboc und Macek wurde allerdings erst im März 2000 unterzeichnet. Keiner weiß, was Macek für die Ceboc bzw. Erste Bank tat und wofür er sein Geld erhielt, heißt es.

Auch Václav Klaus ist der Erste Bank "verbunden". Gattin Livia ist eine von zwei Vertretern der Tschechischen Re- publik im Aufsichtsrat der Er- ste-Tochter Ceská Sporitelna. (Günter Baburek, DER STANDARD, Printausgabe 22.9.2001)