Frankfurt/Zürich - Im Finanz- und Versicherungswesen steht eine neue Megafusion bevor, die Deutsche Bank und der Allfinanzkonzern Zurich Financial Services (Zürich-Gruppe) wollen künftig gemeinsame Wege gehen. Die Deutsche Bank will vom Zürich-Konzern dessen US-Vermögensverwaltungstochter Zurich Scudder Investments übernehmen. Wie das größte deutsche Kreditinstitut am Montag mitteilte, hat der Deal einen Wert von 2,5 Mrd. Dollar (2,72 Mrd. Euro/37,4 Mrd. S). Im Gegenzug übernehmen die Schweizer von der Deutschen Bank mehrere Versicherungsgesellschaften, darunter eine Drei-Viertel-Mehrheit an der Gruppe Deutscher Herold. Die Bank wird wohl etwas mehr als eine Mrd. Dollar in bar zahlen. Vom Barpreis könnten nach Angaben von Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer allerdings auch bis zu 500 Mill. Dollar in eigenen Aktien gezahlt werden. Viertgrößter Vermögensverwalter weltweit Die Deutsche Bank wird damit nach eigenen Angaben zum viertgrößten Vermögensverwalter der Welt mit mehr als einer Billion Euro (rund zwei Billionen DM) verwaltetem Vermögen. Die Transaktion sei eine "Win-Win-Situation" für beide Partner, sagten Zurich-Chef Rolf Hüppi und Deutsche-Bank-Chef Breuer am Montag in Zürich. Der Deal sieht die Übernahme von Scudder für 2,5 Mrd. Dollar durch die Deutsche Bank vor, allerdings ohne die britische Vermögensverwaltung Threadneedle. Deutscher Herold geht an die Zürich Gruppe Zürich übernimmt von der Deutschen Bank im Gegenzug 75,9 Prozent der Versicherungsgesellschaftsgruppe Deutscher Herold sowie 100 Prozent der Lebensversicherungsaktivitäten in Italien, Spanien und Portugal. Unter dem Strich bleibt der Zürich-Gruppe ein Nettoerlös von 700 Mill. Dollar. "Wir erwarten einen Kapitalgewinn von 200 Millionen Dollar", sagte Hüppi. Der Deal steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Einigung über abschließende Verträge und der Zustimmung der Aufsichts- und Kartellbehörden. "Starker Partner" Breuer erklärte, mit der Zürich Gruppe sei ein starker Partner im Versicherungsbereich in Europa gefunden. Die eigentliche Partnerschaft liegt in der vereinbarten strategischen Kooperation beim gegenseitigen Vertrieb von Versicherungsdienstleistungen beziehungsweise Bankdienstleistungen. Während die Zürich die Vermögensverwaltungsprodukte und Bankdienstleistungen der Bank vertreibt, wird diese im Gegenzug ihren Kunden Versicherungsprodukte der Zürich-Gruppe anbieten. "Dadurch ergibt sich ein besserer Fokus auf das, was wir leisten können", sagte Breuer. Scudder betreute Ende Juni 2001 mit 4.000 Angestellten ein verwaltetes Vermögen von weltweit 278 Mrd. Dollar, wie die Deutsche Bank berichtete. Das Unternehmen solle voll in die Deutsche Bank integriert werden, behalte aber seinen Namen, sagte Breuer. Stärkung auf dem US-Markt Die Akquisition stelle für die Deutsche Bank eine "deutliche Ausweitung ihrer Geschäfte im wichtigen US-Markt" dar. Damit werde die Bank einer der größten Vermögensverwalter in den USA. Auch die starke Position im europäischen und institutionellen Geschäft baue die Deutsche Bank damit auf. Und schließlich werde auch ihre Position in der Region Asien/Pazifik gestärkt. Die beiden Konzerne erwarten, dass die Transaktion Anfang 2002 abgeschlossen sein wird. Die Scudder-Übernahme soll den Deutsche-Bank-Plänen zufolge im Jahr 2003 Gewinn abwerfen. (APA/AP/AP/Reuters)