Mailand/Wien - Bei der hoch verschuldeten Telecom-Italia-Gruppe (TI) steigt der Druck, reinen Tisch zu machen. Als so gut wie fix gilt, dass drei Auslandstöchter dran glauben müssen: Der türkische Handynetzbetreiber Turkcell, die skandalumwobene Telecom Serbia und das Sorgenkind Telekom Austria (TA). Die dazugehörigen Dossiers liegen auf dem Tisch des neuen TI-Vorstandsvorsitzenden Enrico Bondi, bestätigt das Unternehmen. Laut der Mailänder Wirtschaftszeitung Il Sole - 24 Ore hat Bondi sogar schon eine Entscheidung getroffen. Details dazu nannten aber weder der Sprecher noch die Zeitung. Klarheit wird es erst am kommenden Donnerstag geben, wenn der neue TI-Großaktionär, Pirelli-Präsident Marco Tronchetti Provera, den neuen Strategieplan präsentiert. Wie berichtet, hatte Tronchetti Provera bereits Ende Juli angekündigt, dass er sich künftig auf das Kerngeschäft konzentrieren und Auslandsbeteiligungen abstoßen will. Zur Diskussion steht überraschend auch der Verkauf des Gelbe-Seiten-Anbieters Seat-Pagine Gialle und seiner TV-Tochter La7 (ehemals Telemontecarlo), die TI - noch unter Olivetti-Herrschaft - erst kürzlich gekauft hatte. Verlustverkäufe Analysten warten übrigens vor allem auf einen Finanzplan. Denn die Schuldenlast ist erdrückend: Gemeinsam mit der Dachholding Olivetti weist TI 42 Mrd. Euro (577,93 Mrd. S) Schulden aus. Angesichts von Konjunktur- und Telekomkrise dürften die Beteiligungen nur mit Verlusten verkauft werden können. Bei der an der Wiener und New Yorker Börse notierten Telekom Austria dürfte ein Verkauf auch nicht ganz einfach werden: Die Syndikatspartner ÖIAG (47,8 Prozent) und TI (29,8 Prozent) sind in einem komplizierten Vertrag ( der TI weiter gehende Rechte zusicherte, als für einen Vierteleigentümer üblich, Anm. ) bis 2008 aneinander gebunden. Zudem ist TI über ihre Mobilfunktochter TIM mit 25 Prozent plus einer Aktie an der TA-Handytochter Mobilkom beteiligt. Insgesamt haben die Italiener für ihre Sperrminoritäten an A1 und TA seinerzeit 35,6 Mrd. S auf den Tisch geblättert. Will TI ihre 30 Prozent an Dritte verkaufen, hätte die ihrerseits verschuldete Staatsholding ein Vorkaufsrecht. Unklar ist, ob die TI-Chefs nur die TA mit dem Festnetz und Internetgeschäft aufgeben. Bisher stand der Verkauf des hochprofitablen Mobilkom-Anteils nie zur Disposition. (ung, Der Standard, Printausgabe, 24.09.2001)