New York - Die Zahl der Toten und Vermissten durch die Terroranschläge in den USA ist Behördenangaben zufolge auf insgesamt 6.962 gestiegen. Wie der New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani am Montag mitteilte, kamen allein bei dem Anschlag auf die Zwillingstürme des World Trade Center am 11. September 6.729 Menschen ums Leben oder werden seither vermisst. Von 276 geborgenen Todesopfern wurden bisher 206 identifiziert, unter ihnen 40 Feuerwehrleute und sieben weitere Beamte. Giuliani sprach von einem "Wunder", sollten die Bergungsmannschaften fast zwei Wochen nach der Katastrophe noch Überlebende in den Trümmern finden. Seit der Nacht nach dem Anschlag wurde kein Überlebender mehr aus dem Schutt gerettet. "Wunder sind schon geschehen, aber es wäre unfair, den Menschen große Hoffnung zu machen", sagte Giuliani weiter. Nach dem Anschlag auf das Pentagon in Washington wurden 189 Menschen als tot oder vermisst gemeldet. Bisher wurden 116 Leichen geborgen und 40 von ihnen identifiziert. Die Gesamtzahl umfasst die 157 Insassen der beiden entführten Flugzeuge, die in das WTC rasten, die 64 Insassen der Maschine, die auf das Pentagon stürzte, sowie die 44 Insassen des in Pennsylvania abgestürzten Flugzeugs. Doppelzählungen Cantor Fitzgerald, die WTC- Firma mit der größten Zahl an Opfern, meldete zuerst bis zu 700 Vermisste, aber keine einzelnen Namen. In weiterer Folge meldeten Familienangehörige, Freunde und Kollegen Namen von Vermissten. Doppelzählungen und Verwechslungen waren und sind also an der Tagesordnung. Weil die Gesamtzahl an Vermissten so stark schwankt, sind auch die Angaben über Staatszugehörigkeiten kaum zuverlässig. Nach vorläufigen Angaben gehören vielleicht 200 Pakistanis dazu, aber auch etwa 250 Inder; vermutlich auch acht Jemeniten, vier Ägypter und zwei Jordanier; offiziell keine Afghanen, aber vielleicht 55 Australier. Jeden Tag hört man andere Zahlen über vermisste Österreicher, Tschechen oder Kanadier. 133 Israelis standen vorerst auf der Vermisstenliste, erst drei tote Israelis konnten identifiziert werden, zwei Flugzeugpassagiere und ein Besucher des WTC. Die vermutlich hohe Opferzahl bei US-Amerikanern arabischer Abstammung verschärft den Konflikt um den vermeintlich "muslimischen Feind" im eigenen Land. Leute wie Abi Salim sind sich sicher, dass die Terroristen "keine Muslime, sondern Verrückte aus den USA" waren. Salim: "Kein Araber würde so etwas gegen eigene Leute machen." Viele Amerikaner dürften anderer Ansicht sein: Drei Morde wurden bis jetzt gemeldet, im ganzen Land gab es Übergriffe auf Moscheen. Verunsicherter Polizist Lion Chaudry (32) ist bei der New Yorker Polizei beschäftigt. Der Mann, Sohn pakistanischer Einwanderer, die selbst noch im Kindesalter Anfang der 50er-Jahre aus Karachi nach New York kamen, ist ob der widersprüchlichen Opfermeldungen schwer verunsichert. Er habe von 500 umgekommenen Pakistanis gehört. "Ich bin heilfroh, dass sich Pakistan auf die Seite der USA gestellt hat", sagt er, "sonst würde es hier ziemlich beschissen für uns." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. September 2001)