"Ich danke ausdrücklich für das oft leichtfertig belächelte Putzen und Kochen, für die Sorge um die Kinder in unserer bedrohlich vergreisenden Gesellschaft und für die weniger anstrengenden, aber unverzichtbaren Investitionen an Kreativität."(Auszug aus der Predigt des steirischen Diözesanbischofs Dr. Egon Kapellari aus Anlass "50 Jahre Katholische Frauenbewegung in der Steiermark" in Graz, Freiheitsplatz, am 22. September 2001) Oben zitierter Kirchenmann hat sich in der letzten Woche nicht nur mit seinen Äußerungen bezüglich des Islam als "radikale Religion mit einer begrenzten Toleranz" hervorgetan, er beweist auch in der Frauenfrage, einem "heißen Eisen" in der katholischen Kirche, die rechte Vernunft , reaktionär-reduntantes Tacheles zu predigen. Wie die Grazer SPÖ-Gemeinderätin Elke Edlinger in einer Aussendung so treffend anmerkt, setzt Kapellari weiterhin auf die Geduld der Frauen: "Fragt sich nur, welche Betätigungsfelder die in der Kirche nach wie vor nicht gleichgestellten Frauen vorfinden. Ich hoffe nicht, dass Kapellari damit das Putzen und Kochen meint." Ihr Hoffen in großen Ehren, aber was meinte er denn dann? Auch der Appell an die Uteri der Schwestern im Herrn ist uns nicht entgangen. Dieser Aspekt des Frauseins scheint der Kirche heilig. Aber geht das eine nicht naturgemäß mit den anderen, lobend erwähnten Tätigkeiten Hand in Hand, auch in der derzeit als "zivilisiert" propagierten "Ersten Welt"? Einen zivilisatorischen Vorsprung muss frau eben dieser jedoch zugestehen: Dass die Trennung von Staat und Kirche hierin endgültig vollzogen ist (mit Ausnahme Nordirlands), was angesichts der Vertretungen Gottes hierzulande ein wichtiges Heilsversprechen zu sein scheint. (red)