Korneuburg - Zweiter Tag im Prozess um ein brutales Verbrechen im chinesischen Schleppermilieu: Yonglei L. (24), Zonghyi W. (21) und Donghua C. (25) müssen sich am Landesgericht Korneuburg wegen der Mitwirkung an der Ermordung ihres Landsmannes Mao Hai Feng (25), der am 23. August 2000 nahe Bruck an der Leitha aufgefunden wurde, vor den Geschworenen unter dem Richtervorsitz von Berta Berger verantworten. Das Verfahren ist eine Neuauflage, nachdem die Laienrichter bei der ersten Verhandlung im Juni auf Freispruch entschieden und das Urteil in der Folge wegen "Rechtsirrtums" ausgesetzt wurde. Als Anstifter der Bluttat, der auch die 19-jährige Freundin des Chinesen, Lu Xiao Chen, zum Opfer fiel, gilt Yida Wang. Der damals 23-Jährige erhängte sich nach seiner Festnahme im September 2000 in einer Einzelzelle. Der mutmaßliche Mörder, der Mao Hai Feng durch Hiebe mit einem Hackbeil tötete, ist flüchtig. Der gestrige erste Tag stand im Zeichen der Einvernahme der Beschuldigten, wobei deren Rolle in den Stunden vor dem Verbrechen, als das Paar sich bereits in einer Wiener Wohnung in der Gewalt der Gruppe befunden haben soll, ausführlich hinterfragt wurde. In seinem Eröffnungsplädoyer sprach der Anwalt von Yonglei L., Elmar Kresbach, - wie im Juni - von "armen Würsteln" und unbedeutenden Figuren in der Schlepperorganisation. Die Beteiligung am Verbrechen habe lediglich in ihrer Anwesenheit bestanden, die Bluttat selbst hätte nicht verhindert werden können. Nicht mitzutun, sei jedoch ebenfalls nicht möglich gewesen, verwies der Anwalt auf den Druck und Drohungen des Rädelsführers. Urteil noch am Mittwoch? Zwei der Angeklagten hatten sich wenige Monate zuvor in der Schubhaft kennengelernt, der dritte, W., traf Anfang August erstmals auf Yida Wang und seine "Freunde". Da er einen Pkw besaß, fungierte er als Fahrer. Die Beteiligung der beiden Anderen bestand laut Staatsanwältin Ingrid Gruber darin, dass C. das Opfer auf Anordnung des Anstifters fesselte und L. es aus dem Wagen ins Gebüsch zerrte. Beim Mord selbst - als der Chinese noch vergeblich um sein Leben flehte - sah niemand zu. Nach der Rückkunft in Wien hieß es "dicht halten". Anschließend sollte die Freundin des Getöteten, deren Leiche ebenfalls am 23. August 2000 in Leobersdorf entdeckt wurde, abgeholt werden. W. weigerte sich, da nochmals mitzumachen. Die Befragung des dritten Beschuldigten, Donghua C. (25) wurde gestern, Dienstagabend, auf Grund der vorgerückten Stunde nicht mehr durchgeführt. Mit ihm begann nun der zweite Verhandlungstag. Damit wurden auch die Zeugenaussagen auf den Nachmittag verlegt. Sollte am Mittwoch wie vorgesehen noch ein Urteil fallen, dürfte es "sehr spät" werden, schätzte die Staatsanwältin im Vorfeld. (APA)