Wien - "Grausamkeit", eine "geschmalzene Verteuerung" sowie die "Abkehr von den Grundwerten des roten Wiens" im Gesundheitssystem will die Grün-Gemeinderätin Sigrid Pilz erkennen. Dies belege, so Pilz am Donnerstag, ein Brief an das Büro von Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (SP). Aus dem magistratsinternen Schreiben gehe hervor, dass es in der SPÖ "auf breiter Basis" (Pilz) Überlegungen gebe, Umfang und Qualität der Krankenpflege zu reduzieren. Und das, obwohl ein an die Öffentlichkeit gelangter Brief Pittermanns an ihren Ressortvorgänger, Finanzstadtrat Sepp Rieder (SP), in dem Pittermann Ängste um das Niveau der Krankenversorgung äußerte, von beiden Stadträten "heruntergespielt" worden sei. Obwohl Rieder und Pittermann im Gemeinderat versichert hatten, es werde zu keinen Einschränkungen kommen, sei in dem Brief der MA 47 (Betreuung zu Hause) an Pittermann von "Maßnahmen" zur Bekämpfung einer Budgetlücke von 140 Millionen Schilling (10,3 Mio. ) die Rede, so Pilz. So sei etwa geplant, Pflegegeldbeiträge zu erhöhen oder Leistungen - etwa bei "Essen auf Rädern" oder bei der Heimhilfe - einzuschränken. Therapiesperre Grün-Gemeinderat Martin Margulies sorgt sich außerdem um die Spitäler des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV). Rieder habe zwar eine Erhöhung des KAV-Budgets von 12,656 Milliarden Schilling (919,75 Mio. ) auf 12,762 Milliarden (927,45 Mio. ) versprochen - inflationsbereinigt bedeute dies einen Verlust von 239 Millionen Schilling (17,37 Mio. ). Gespart, so die Grünpolitiker, werde bereits - auf Kosten der Patienten: Am Dienstag habe es ein Treffen von Vertretern der städtischen Augenabteilungen mit Pittermann gegeben. Dort wurde bekannt gegeben, dass bestimmte Therapien aus Kostengründen nur mehr für Patienten aus Wien zur Verfügung stehen. Vollkommen neue Situation Vertreter der SPÖ haben am Donnerstag die Vorwürfe zurückgewiesen. Für Finanzstadtrat Sepp Rieder handelt es sich dabei um "eingefrorene Posthorntöne". Durch die Budgetverhandlungen sei "eine vollkommen neue Situation" entstanden". Auch die ÖVP warnte am Donnerstag vor Kürzungen im Sozialbereich: Die Wiener SPÖ-Stadtregierung drohe, die gemeinnützigen Kinderbetreuungseinrichtungen "auszutrocknen", erklärte Walter Strobl, Bildungssprecher der VP Wien. Bei den Budgetvorberatungen für das kommende Jahr sei von den Verantwortlichen der MA 11A und der Vizebürgermeisterin Laska (SP) gesagt worden, es müssten 110 Millionen Schilling eingespart werden. (rott, red, DER STANDARD Print-Ausgabe 28 September 2001)