Die deutsche Politikerin war das Aushängeschild der Grünen Partei Deutschlands. Ihr Engagement für Frieden, Gewaltlosigkeit, Menschenrechte und Umweltschutz zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Ihre Vorbilder: Rosa Luxemburg, Alexandra Kollontai, Martin Luther King und Mahatma Gandhi. Nicht kosmetisches Krisenmanagement war ihr Ziel, sondern ein grundlegender Wandel der gesellschaftlichen Strukturen. 1947 Am 29. November wird sie als Petra Karin Lehmann in Günzburg/Donau geboren. Mit zwölf Jahren geht sie mit Mutter und Stiefvater John Edward Kelly in die USA. 1966-1970 Studium der Politischen Wissenschaften und Weltpolitik an der American University in Washington. Schon zu dieser Zeit organisiert sie politische Seminare und beteiligt sich an Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg sowie gegen die Rassendiskriminierung. 1968 engagiert sich Kelly im Präsidentschaftswahlkampf in den Büros der Senatoren Robert Kennedy und Hubert Humphrey. 1970/71 kehrt sie nach Europa zurück, wo sie an der Universität von Amsterdam Politische Wissenschaften und Europäische Integration studiert. Zeitgleich arbeitet sie als Forschungsassistentin am "Europa Institut" und 1971 als Praktikantin bei der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel. 1972-1979 Ab 1972 ist sie für die Europäische Kommission in Brüssel tätig. Zunächst arbeitet sie als Verwaltungsreferendarin im Wirtschafts- und Sozialausschuß, später als Verwaltungsrätin im Sekretariat der Fachgruppen Sozialfragen, Umweltschutz, Gesundheitswesen und Verbrauch. Petra Kelly engagiert sich als aktives Mitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). Daneben arbeitet sie für verschiedene Organisationen: "Deutschen Friedensgesellschaft", der "Humanistischen Union", dem "Bund für soziale Verteidigung", der "Union Syndicale" in Brüssel und der "Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion", Lüchow-Dannenberg. Außerdem unterstützt sie auch gewaltfreie Ökologie-, Frauen- und Friedensbewegungen in den USA, in zahlreichen europäischen Ländern, Japan und in Australien. 1973 Nachdem ihre Halbschwester Grace Patricia 1970 an Krebs gestorben ist, gründet sie die "G.P. Kelly-Vereinigung zur Unterstützung der Krebsforschung für Kinder". Diese setzt sich für ein psychosoziales Betreuungsmodell für krebs- und chronisch kranke Kinder ein und fördert durch Spendenaufkommen weitere Projekte dieser Art. 1979 tritt Kelly aus der SPD aus und wird Mitglied des BBU-Vorstandes, in dem sie zuständig für internationale Kontakte ist. Als Gründungsmitglied der Partei Die Grünen wird sie bundesweite Listenführerin bei den Wahlen des Europäischen Parlaments. 1980-1983 Im März 1980 ist Kelly neben August Haußleiter und Norbert Mann Sprecherin des Bundesvorstands der Partei der Grünen. Bei den bayerischen Landtagswahlen im Oktober 1982 tritt Kelly als Spitzenkandidatin an. Die Grünen scheitern mit 4,6% an der Fünf-Prozent-Hürde. In diesem Jahr erhält sie den Alternativen Friedens-Nobelpreis. 1983 Nach den Bundestagswahlen gelangt Kelly über die bayerische Landesliste in den Bundestag, wo sie bis 1990 Mitglied bleibt. Zusammen mit Otto Schily und Marieluise Beck-Oberdorf wird sie in den "Sprecherrat" der Fraktion gewählt. Zugleich ist sie Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten. Im gleichen Jahr veröffentlicht sie die Schrift "Um Hoffnung kämpfen. Gewaltfrei in eine grüne Zukunft". Die amerikanische Frauenorganisation "Women Strike for Peace" verleiht ihr den Preis "Frau des Jahres". 1985-1987 Kelly zieht in Bonn mit ihrem Freund und Parteikollegen, dem früheren General Gert Bastian zusammen. Nach den Bundestagswahlen 1987 wird Kelly erneut Bundestagsabgeordnete. Sie nimmt am Moskauer Friedensforum teil und trifft in Moskau mit Andrej Sacharow und Michail Gorbatschow zusammen. Im Oktober hält sie ihre erste Rede im Bundestag zum Thema Menschrechtsverletzungen in Tibet. Im Anschluss wird die von ihr eingebrachte Resolution zu den Menschenrechten einstimmig angenommen. 1990-1991 Petra Kelly scheidet aus dem Bundestag aus. In einem offenen Brief prangert sie "Selbstzerfleischung und fruchtlose, die politischen Aktivitäten lähmende Flügelkämpfe" der Partei an und mahnt "zu den authentischen grünen Prioritäten in allen Politikbereichen" zurückzufinden. Kelly ist Mitherausgeberin der Schrift "Tibet klagt an. Zur Lage in einem besetzten Land". Kelly tritt als Kandidatin für das Amt der Vorstandssprecherin der Grünen an und erhält nur rund 30 Stimmen. 1991-1992 Immer mehr kümmert sie sich mit großem Idealismus um die Belange der UreinwohnerInnen Australiens, der IndianerInnen in Amerika und die Probleme Tibets. Körperlich lassen Kellys Kräfte stark nach und gleichzeitig nimmt die Abhängigkeit von ihrem Lebensgefährten Bastian zu. Verbürgt sind ihre Worte: "Wenn Gert nicht mehr ist, will ich auch nicht mehr sein." Am 1. Oktober wird sie im Schlaf von ihrem Lebensgefährten Gert Bastian erschossen, der sich anschließend selbst das Leben nimmt. Ein Abschiedsbrief, der einen Hinweis auf die Motive geben könnte, wird nicht gefunden. Es bleibt auch ungeklärt ob Petra Kelly diesem Ende zugestimmt hat. Die Leichen von Petra Kelly und Gert Bastian werden mehrere Wochen nach ihrem Tod in ihrer Wohnung entdeckt. 1993 Alice Schwarzer veröffentlicht das Buch "Eine tödliche Liebe. Petra Kelly und Gert Bastian". Die Autorin, die mit den beiden Toten bekannt war, geht der Frage nach, inwieweit Kelly mit dem gewaltsamen Ende einverstanden war. Ihrer Meinung nach handelte es sich um Mord. Quelle: Lemobiografien (dabu)