Wien - Für heftige Diskussionen im Wiener Landtag sorgte am Donnerstagabend der vom Ministerrat beschlossene Integrationsvertrag. Die Grüne nicht amtsführende Stadträtin Maria Vassilakou sprach von "Zwangsmaßnahmen, die sonst nur in totalitären Staaten möglich sind". Integrationsstadträtin Renate Brauner (S) warf der Bundesregierung vor, "nicht nur unmenschlich, sondern auch völlig chaotisch" zu agieren. VP-Integrationssprecher Wolfgang Ulm forderte die Wiener SP dagegen auf, den Kurs des Bundes zu unterstützen. Auch Michael Kreißl (F) begrüßte den Vertrag und die verpflichtenden Deutschkurse. "Dieser Vertrag, den uns diese Bundesregierung verpasst hat, ist nur mehr als kondensierter Schwachsinn zu werten", so Vassilakou. Sie grüßte die Abgeordneten in ihrer Muttersprache Griechisch mit "Kalimera" ("Guten Abend") und gab ihrer Hoffnung Ausdruck, "dass mir das nicht als Integrationsunwilligkeit ausgelegt wird". Vassilakou trat in einem lila-farbenen Dirndl ans Podium. Ein Symbol, um gegen die Verpflichtung zum Deutsch lernen zu protestieren: "Das Dirndl trage ich gern und finde es schön. Aber wenn ich es tragen müsste, würde ich es hassen." Angst und Verunsicherung Für Brauner hat der Integrationsvertrag "weder mit Integration zu tun, noch ist er ein Vertrag". Den geplanten Maßnahmen der Regierung prophezeite sie Erfolglosigkeit und Kontraproduktivität. "Alles, was Sie damit erzeugen, ist Angst und Verunsicherung", so Brauner in Richtung FPÖ und ÖVP. Noch schärfere Worte fand die SP-Abgeordnete Nurten Yilmaz: Die Bundes-FP habe mit dem Integrationsvertrag "ihre Xenophobie unter dem Mantel des staatstragenden Verhaltens ausgelebt", die ÖVP ihre christlichen Werte zu Gunsten des Machterhalts aufgegeben. Ulm betonte dagegen, dass ein Dialog zwischen Menschen nur möglich sei, wenn man einander auch verstehe. Verpflichtende Deutschkurse dienten daher der Integration und seien "kein Schwachsinn der Bundesregierung". Der Vorwurf des "totalitären Staates" wies Ulm zurück: "Es ist absolut zulässig, bestimmte Dinge verpflichtend zu verlangen. Auch der Pflichtschulbesuch ist verpflichtend." Die Stadt Wien forderte der VP-Abgeordnete auf, sich zur Hälfte an den Kosten für die Sprachkurse zu beteiligen. Kreißl warf Vassilakou vor, den Einwanderern mit ihrer Einstellung nichts gutes zu tun: "Man muss eine Sprache können, um sich zu Hause zu fühlen." Es geben viele Frauen aus Einwandererfamilien, die auch nach vielen Jahren in Österreich keinerlei Sprachkenntnisse hätten. "Durch den Integrationsvertrag liegt der Druck auf der ganzen Familie, deutsch zu können", gab sich Kreißl überzeugt. (APA)