Wien - Die Republik Usbekistan liegt im Westen Zentralasiens. Sie grenzt im Westen und Norden an Kasachstan, im Osten an Kirgisien, im Südosten an Tadschikistan und im Süden an Afghanistan und Turkmenien. Taschkent ist die Hauptstadt und zugleich das bedeutendste Industrie- und Kulturzentrum des Landes. Mit rund 22,3 Millionen Einwohnern ist Usbekistan der bevölkerungsreichste Staat unter den ehemaligen Sowjetrepubliken Mittelasiens. Die Usbeken, ein Turkvolk mit islamischen Traditionen, stellen 71 Prozent der Bevölkerung. Die bedeutendste Minderheiten sind die Russen (8 Prozent), die Tadschiken (5 Prozent) und Kasachen (4 Prozent). Islam Karimow ist Staatsoberhaupt der Republik. Der Volkswirtschaftler wurde 1983 zum Finanzminister bestellt und im Juni 1989 zum Chef der Kommunistischen Partei von Usbekistan ernannt. 1991, im Jahr der usbekischen Unabhängigkeit, erhielt Karimow bei den Präsidentschaftswahlen knapp 86 Prozent der Stimmen. Im März 1995 wurde Karimows Amtszeit als Präsident durch eine Volksabstimmung bis zum Jahr 2000 verlängert. Karimow wurde im Jänner 2001 mit 91,9 Prozent der Stimmen als Präsident wiedergewählt. Nach der Verfassung sind nur zwei aufeinander folgende Amtszeiten als Präsident möglich. Politische Parteien bis auf drei Ausnahmen verboten Die Legislative in Usbekistan ist die Hohen Versammlung (Einkammerparlament) bestehend aus 250 Abgeordneten. Die meisten Parlamentarier sind Mitglieder der Demokratischen Volkspartei, der früheren Kommunistischen Partei der Usbekischen SSR. Der Großteil der 1990 gewählten Oppositionsvertreter wurde abgesetzt, mehrere prominente Regimekritiker wurden verhaftet und aus Usbekistan ausgewiesen. Politische Parteien wurden verboten mit Ausnahme der Parteien Birlik (Einheit), Erk (Wille) - die vergleichsweise wenig Anhänger hat - und der Watan Taragioti (Nationaler Fortschritt). Unter Karimows Führung wurden alle politischen Oppositionsbewegungen unterdrückt und die Macht der Geheimpolizei ausgeweitet. Mit Ausbruch des Bürgerkriegs 1992 in der benachbarten Republik Tadschikistan wurde der politische Druck auf Oppositionsgruppen noch gestärkt. Nach mehreren ungeklärten Morden an Polizisten und Behördenvertretern und aus Furcht vor extremen Islamisten im südlichen Nachbarland Afghanistan verstärkte die Regierung ihr Vorgehen gegen die islamischen Gruppen. Eine Serie von Bombenanschlägen in Taschkent verschärfte die Lage 1999 und 2000 zusätzlich. Für die Attacken wurde die Islamische Bewegung Usbekistans verantwortlich gemacht, eine Terrorgruppe, der Verbindungen zu Osama bin Laden nachgesagt werden. Geschätzte 8.000 Menschen wegen religiöser Delikte in Haft Mit dem wachsenden internationalen Druck auf das radikal-islamische Taliban-Regime in Afghanistan wächst die Furcht usbekischer Menschenrechtsgruppen, Karimow könnte die derzeitige Stimmung nützen, um seine Kampagne gegen religiöse Gruppierungen und Menschenrechtsvereinigungen zu verstärken. Schätzungen zufolge sitzen allein wegen religiöser Delikte derzeit 8.000 Menschen im Gefängnis. Wirtschaftliche Lage Usbekistan ist Mitglied der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und unterhält enge wirtschaftliche und militärische Beziehungen zu Russland. Wie in vielen anderen ehemaligen Sowjetrepubliken litt auch Usbekistans Wirtschaft unter der Auflösung der UdSSR. 1992 ging das Bruttoinlandsprodukt um über 14 Prozent zurück. Es kam zu Mängel bei Maschinenteilen, Brennstoffen und anderen Einfuhrgütern. Die Regierung verzögerte die marktwirtschaftlichen Reformen und viele Konsumgüter unterliegen Preiskontrollen. Anfang 1994 wurde von Usbekistan, Kasachstan und Kirgisien eine Freihandelszone gegründet. Über ein Jahrhundert befand sich das heutige Gebiet Usbekistans unter direktem russischen Einfluss. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet zum Vasallenstaat Russlands. Die Einführung der Baumwollkultur durch das zaristische Reich führte zu mehreren großen Konflikten zwischen Russland und der einheimischen Bevölkerung. Usbeken protestierten gegen die Änderung der Landbesitzverhältnisse und das abnehmende Lebensmittelangebot. Nach der Russischen Revolution von 1917 setzten die Basmatschen, eine nationalistische Guerillabewegung im Gebiet der Usbeken, die die sowjetische Macht bis in die 20er Jahre bekämpfte, der sowjetischen Macht heftigen Widerstand entgegen. 1924 wurde aus der früheren Autonomen Sowjetischen Sozialistischen Republik (ASSR) Turkestan und den Volksrepubliken Chiva und Buchara die Usbekische SSR gebildet. (APA)