Wien - "Einen Skandal" meint SP-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier in Zusammenhang mit der Euro-Preisumrechnung entdeckt zu haben. Konkret geht es um ein redaktionell gestaltetes Inserat der Wirtschaftskammer Österreich mit dem Slogan "Letzter Euro-Check!", das am 20. September unter anderem in der Salzburger VP-Tageszeitung SVZ veröffentlicht wurde. Darin heißt es: "Wer annimmt, die Umstellung von Schilling auf Euro und die damit zunehmende Markttransparenz verderbe die Preise und dezimiere Gewinne, fährt auf dem falschen Dampfer! Durch neue Kalkulationen, frische Produkt- und Dienstleistungskombinationen, durch veränderte Packungsgrößen, Beachtung von Schwellenpreisen etc. können (. . .) zusätzliche Umsätze und Profite gemacht werden. (. . .) Richtige Preisbildung kann Not leidenden Branchen sogar aus der oft selbst verschuldeten Patsche helfen." "Das erklärt einiges", so Maier. Die SPÖ brachte unter anderem deswegen einen Antrag im Parlament ein, dieses möge das Euro-Währungsangabengesetz (EWAG) insofern abändern, dass Namen "der für Missstände verantwortlichen Unternehmen" veröffentlicht werden sollen. Ein so genannter "Euro-Pranger" soll so per Gesetz gedeckt werden. In der Wirtschaftskammer verteidigt man die Tipps: "Es gibt den Markt nach wie vor, trotz Euro-Umstellung muss man damit kreativ umgehen", sagt der Euro-Projektleiter der WKÖ, Matthias Koch, zum S TANDARD . "Unsere Linie ist: Es muss unter dem Strich bei der Euro-Umstellung eine Win-Win-Situation für Konsumenten und Unternehmer entstehen." Marketingberatung sei eine Kernkompetenz der Kammer, diese müsse auch jetzt wahrgenommen werden. Bartenstein dagegen Bisher konnten die Regierungsparteien noch nicht für eine Veröffentlichung der Namen gewonnen werden. Ingrid Nemec, Sprecherin des Wirtschaftsministers, sagte zum S TANDARD , Bartenstein sei "nach wie vor gegen jeden Pranger". Die "Antwort" sei das Euro-Preisbarometer. Dieses ist seit dieser Woche online. ACNielsen erhebt die Preisentwicklung von zwanzig Warenkörben. Die Hälfte des Einzelhandels werden abgedeckt. (szem, Der Standard, Printausgabe, 5.10.2001)