Mailand/Wien - Knapp eine Woche nach Veröffentlichung des Strategieplans herrscht in der angeschlagenen Telecom-Italia-Gruppe bereits Uneinigkeit über dessen Umsetzung. Die Geister scheiden sich unter anderem an der Frage, ob Telecom Italia (TI) in Österreich nur ihre 29,8 Prozent an der Telekom Austria (TA) verkaufen soll oder auch die Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) an deren Mobilfunktochter Mobilkom, heißt es in unternehmensnahen Kreisen. Wie berichtet, will TI die Zahl ihrer europäischen Festnetzbeteiligungen drastisch reduzieren und ihre Kräfte im Mittelmeerraum und in Südamerika bündeln. Lukrative Mobilfunkengagements sollen jedoch möglichst auf Mehrheitsbeteiligungen aufgestockt werden. Marco de Benedetti, Chef der TI-Mobilfunktochter Tim, sagte vor Analysten in London, der Mobilkom gehe es sehr gut und Tim sei an einer Mehrheit interessiert. Ob und wie die Mobilkom- Töchter in Kroatien und Slowenien davon betroffen sein könnten, ist völlig offen. Die Expansion nach Bosnien-Herzegowina wurde bereits im Sommer gestoppt. Zwei Milliarden Euro Erlös Für einen Totalrückzug aus Österreich tritt den Informationen zufolge Enrico Bondi, der neue TI-Vorstandschef, ein. Bis Dezember soll Klarheit darüber herrschen, welche Linie sich durchsetzt. Als Indiz für die Entschlossenheit der neuen TI-Eigentümer Benetton und Pirelli wird von Mailänder Analysten gewertet, dass die TI- Manager hoffen, in Österreich einen Verkaufserlös von rund zwei Milliarden Euro (27,52 Mrd. S) zu erzielen. Das ist fast exakt jener Betrag, den TI 1998 für ihre 25,01 Prozent an der TA hingeblättert hat. Für das Viertel an der Mobilkom hatten die Italiener ein Jahr vorher 8,4 Mrd. S bezahlt. Gerädert und gevierteilt Einen Schritt näher in Richtung Totalumbau der Telekom dürften sich TI und der zweite TA-Großaktionär, die Verstaatlichtenholding ÖIAG, am Freitag gekommen sein. Wie der Standard bereits in der Freitagausgabe berichtete, soll die TA - analog zur Umstrukturierung von Telecom Italia - in die vier operativen Bereiche Festnetz, Mobilfunk, Finanzen und die Konzernleitung gegliedert werden. Gesellschaftsrechtliche Veränderungen wie die Rückführung der Datakom und der Jet2Web Internet in die Festnetzsparte seien vorerst nicht geplant, hieß es. Dazu wäre auch eine Hauptversammlung notwendig. Von der Neuordnung erhoffen sich die Kernaktionäre klar abgegrenzte Verantwortungsbereiche und zugleich eine bessere Zusammenführung der Bereiche. Verbesserte Kooperation "Wir haben nun eine deutlich verbesserte Kooperation mit dem italienischen Partner und schauen trotz des Eigentümerwechsels in Italien in die gleiche Richtung", sagte ÖIAG-Vorstand und TA-Aufsichtsratschef Peter Michaelis zum Standard. Dazu hätten unter anderem die so genannten "Preliminary Advisory Meetings" beigetragen, die ausschließlich der Vorbereitung und Abstimmung jener Dinge dienten, die "zu verbessern sind". Deutliches Verbesserungspotenzial habe etwa die Performance der TA. Das Letztentscheidungsrecht liege selbstverständlich beim Aufsichtsrat. (Thesy Kness-Bastaroli, Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 6.10.2001)