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Abdul Haq

Foto: Reuters/Halim
Peshawar - Abdul Haq hat zu seiner Zeit die sowjetische Armee mit in die Knie gezwungen. Nun will der ehemalige afghanische Rebellenkommandeur die regierenden Taliban stürzen. Zuerst werde er seine einstigen Kameraden und die Führer bisher zerstrittener Volksgruppen versammeln, sagt Haq. Dazu gehöre auch die Nordallianz. Danach müsse die Struktur der Taliban zerstört werden. Sein Ziel sei es, Exkönig Mohammed Zahir Shah die Rückkehr zur Macht zu ermöglichen. Experten zeigen sich von den Plänen Haqs beeindruckt. "Abdul ist der Einzige, der Zahir Shah in Rom besucht hat, um ihm einen konkreten Plan zum Aufbau einer neuen Regierung vorzulegen", sagt ein Beobachter. Zahir Shah ließ am Freitag in Rom mitteilen, er werde demnächst Abgesandte nach Pakistan zu Gesprächen über die Zukunft Afghanistans schicken. "Ich versuche in diesen Tagen, all diese unterschiedlichen Menschen zusammenzuführen", sagt Haq. "Sie sollen keine Armee bilden, sondern dem König zur Rückkehr verhelfen, damit wieder Frieden und Sicherheit einkehrt." Die Volksgruppen zu einen, sei jedoch nicht seine größte Sorge. Sie alle hätten genug von den Taliban, und das verbinde sie, sagt Haq. Vielmehr fürchte er die Angriffe der Amerikaner: "Wenn sie mit Gewalt, Bomben oder Raketen in Afghanistan auftreten, wird das den Taliban eher helfen. Greifen sie nicht an und überlassen alles uns, wird es nur wenige Monate (bis zum Sturz der Taliban) dauern." Die Kriegserfahrungen des 43-jährigen Mudjahed (Gotteskriegers) reichen zurück bis ins Jahr 1977, als er an einem Aufstand gegen die damalige linksgerichtete Regierung mitwirkte. Zwei Jahre später richtete er ein Hauptquartier in Peshawar an der pakistanischen Grenze ein, von wo er Raketenangriffe auf das damals sowjetisch besetzte Kabul steuerte. Er zerstörte Waffendepots, schaltete Kabul den Strom ab und kappte die Telefonleitungen. Seine Truppen führte er zu Pferd an, nachdem er seinen rechten Fuß bei einer Minenexplosion verloren hatte. Nachdem die sowjetischen Truppen das Land verlassen hatten und die Gefechte zwischen den zahlreichen Mudjahedin im Land einsetzten, zog Haq sich zurück. Angehörige ermordet An eine Rückkehr zum Militär habe er erstmals wieder im Jahr 1999 gedacht. Er sei geschäftlich unterwegs gewesen, als seine Frau und sein Sohn ermordet wurden. Haq vermutet die Taliban hinter dem Mord. Schon vor dem 11. September habe Haq Kontakt zu den USA aufgenommen, um über den Aufbau einer Opposition gegen die Taliban zu sprechen, sagte jüngst Robert McFarlane, Sicherheitsberater des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan. Seit vergangener Woche sitzt er wieder in seinem Hauptquartier in Peshawar. (Reuters/DER STANDARD, Print- Ausgabe, 6./7. 10. 2001)